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Schwere Explosion in Istanbul fordert mindestens zehn Menschenleben

Länder: Türkei

Tags: Istanbul, Anschlag, Terror

Mindestens zehn Menschen kamen bei einer Detonation im bei Touristen beliebten Altstadtviertel Sultanahmet in Istanbul ums Leben. Darunter sind mindestens zehn Deutsche. Wie der Gouverneur von Istanbul bekannt gab, seien 15 weitere Menschen verletzt worden. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu machte die Terrormiliz "Islamischer Staat" für den Anschlag verantwortlich. Am Dienstagabend wurde ein Verdächtiger festgenommen. 

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Dem mutmaßliche Terroranschlag von Istanbul gingen 2015 einige Attentate voraus. Am 10. Oktober starben bei einer Terrorattacke auf eine regierungskritische Friedensdemonstration in der Hauptstadt Ankara 103 Menschen.

Zahlreiche Polizisten und Rettungskräfte vor Ort

Die türkische Regierungspartei AKP verurteilte die Tat. "Wir sprechen denen, die ihr Leben verloren haben, unser Beileid aus", sagte sagte AKP-Sprecher Ömer Celik. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu berief unterdessen ein Krisentreffen ein. 

Zu der Detonation kam es am Dienstagmorgen um 10:20 Uhr in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee. Die beiden weltberühmten Gebäude gehören zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Türkei. Die Polizei sperrte den Ort der Explosion weiträumig ab. Eine dpa-Reporterin berichtete vor Ort von zahlreichen Polizisten sowie Rettungskräften. Auch Bombenentschärfer seien im Einsatz gewesen. 

 

Mindestens zehn Deutsche unter den Opfern

Unterdessen hat sich die Zahl der bei dem Terroranschlag getöteten Deutschen auf zehn erhöht. Das teilte das Auswärtige Amt mit. Sieben Deutsche seien nach dem Attentat noch verletzt in Krankenhäusern. Außerdem gebe es drei Leichtverletzte, die heute entlassen werden sollen. Bei einer Pressekonferenz teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Mittwoch mit, es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war. Deutsche sind die größte Urlaubergruppe in der Türkei. 

 

Merkel spricht von einem "mörderischen Akt"

Als "mörderischen Akt" verurteilte Angela Merkel (CDU) den Anschlag in Istanbul. "Die Terroristen sind Feinde aller freien Menschen, ja, sie sind Feinde aller Menschlichkeit", sagte die Kanzlerin am Dienstagabend in Berlin. "Genau diese Freiheit und unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit unseren internationalen Partnern, gegen diese Terroristen vorzugehen, werden sich aber durchsetzen." 

 

Die möglichen Drahtzieher der Tat

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu machte die Terrormiliz "Islamischer Staat" für den Anschlag von Istanbul verantwortlich. Der Selbstmordattentäter habe der Terrormiliz IS angehört, sagte Davutoglu am Dienstag in Ankara. Der IS hatte 2015 mehrere Anschläge in der Türkei verübt. Bislang bekannte sich die Terrormiliz jedoch nicht zu der Attacke.

Als möglicher Drahtzieher der Tat war zudem die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK genannt worden. Im Südosten des Landes läuft derzeit eine Offensive der türkischen Streitkräfte gegen die PKK, die damit gedroht hat, den Konflikt auch in den Westen der Türkei zu tragen. Die kurdische Arbeiterpartei griff bisher jedoch in der Regel staatliche Einrichtungen an und bemühte sich, ihr Verhältnis zu westlichen Ländern zu verbessern.

 

Ein weiterer Anschlag in der Türkei

Die Explosion in Istanbul setzt eine Reihe von Anschlägen fort, die es in der jüngsten Vergangenheit in der Türkei gegeben hat. Auch in Suruc und Ankara haben sich Selbstmordattenäter in die Luft gesprengt und dabei mehrere Menschen mit in den Tod gerissen. Und auch in diesen Fällen nannte die Regierung in Ankara die Terrormiliz "Islamischer Staat" als Täter. Thomas Simon erklärt, wie das Istanbuler Attentat mit Präsident Erdogans Zwei-Fronten-Krieg zusammenhängen könnte. 

 

 

Istanbul: Das Attentat und sein Kontext

 

Allein im vorigen Jahr haben Terroranschläge in der Türkei rund 170 Menschen das Leben gekostet.

- Oktober 2015: Am Rande einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Ankara reißen zwei Sprengsätze 103 Menschen in den Tod. Die Staatsanwaltschaft macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

- September 2015: Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica 16 Soldaten.

- August 2015: Bei einem Bombenanschlag und einem Angriff auf eine Polizeiwache in Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

- Juli 2015: Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit sich in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz IS verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

- Juni 2015: Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Zuletzt geändert am 13. Januar 2017