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Schweden - Daten unter der Haut

Länder: Schweden

Tags: Innovation, RFID, Achtung der Privatsphäre

Um den Büroalltag zu erleichtern, implantieren schwedische Unternehmen ihren Angestellten winzige Mikrochips unter die Haut. Manchen Bürgern geht diese Praktik jedoch zu weit.

Manche Angestellten des High-Tech-Firmenkomplexes Epicenter im Zentrum von Stockholm betreten ihre Büros von nun an ganz ohne Badge oder Zugangscode. Seit Februar 2015 setzen 400 der 700 Beschäftigten das Sicherheitssystem mit einer einfachen Handbewegung außer Gefecht: Der reiskorngroße RFID-Chip (Chip zur Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen), den sie unter der Haut zwischen Daumen und Zeigefinger tragen, öffnet ihnen alle Türen. 

Den Firmenchefs zufolge soll das Experiment den Arbeitsalltag erleichtern. Denn die Mikrochips gewähren nicht nur Zugang zum Gebäude, sondern dienen auch zum Bezahlen am Kopierer und in der Kantine. Alles funktioniert hier sozusagen „per Hand“! Zuvor hatte ein Nachtclub in Barcelona seinen Stammkunden bereits angeboten, per implantiertem RFID-Chip ihre Getränke zu bezahlen.

 

Clevere Implantate

Was für die einen nach Science Fiction klingt, öffnet für andere ganz neue Horizonte. Die Chips „sind eine echte Zukunftstechnologie“, prophezeit Hannes Sjöblad, der Gründer des schwedischen Biohacker-Vereins Bionyfiken, der für RFID-Chips wirbt. Letztere könnten auch als Autoschlüssel und Mitgliedsausweise eingesetzt werden oder Passwörter an Smartphones, Tablets und Computern ersetzen. „Und das ist erst der Anfang“, fährt Hannes Sjöblad fort. „In ein oder zwei Jahren wird man die Implantate auch in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Zahlungsvorgängen verwenden können.

Über den praktischen Nutzen hinaus wirft das futuristische System jedoch Fragen auf. Aus Angst vor „Überwachung“ stehen viele Menschen der Nutzung dieser neuen technologischen Möglichkeiten in Berufs- und Privatleben noch skeptisch gegenüber. Denn so ein Chip kann sehr sensible Daten enthalten – und wenn alle Gegenstände des täglichen Lebens (Fahrkarten, Kleidung, Telefon, Auto etc.) so „getaggt“ wären, könnte man die Handlungen jedes einzelnen Menschen ganz einfach nachverfolgen.

Epicenter wischt diese Zweifel jedoch vom Tisch und behauptet, ganz einfach auf der Höhe des technologischen Fortschritts zu sein: „Wir wollen diese Technologie verstehen lernen, bevor Firmen und Regierungen auf uns zukommen und behaupten, nun müsse sich jeder einen Chip implantieren lassen. Einen Chip für die Steuern, einen für Google, einen für Facebook ...“   

Franck Berteau

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016