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"Schnee" von Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk

Länder: Türkei

Tags: Schnee, Orhan Pamuk, Literaturnobelpreis, Theater

Orhan Pamuk zählt zu den berühmtesten Schriftstellern in der Türkei. Für seinen Roman "Schnee" wurde er 2006 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Obwohl seit der Veröffentlichung 15 Jahre vergangen sind, ist der Roman aktueller denn je. Im Straßburger Nationaltheater ist die Geschichte erstmals auf der Bühne zu sehen. Manuel Dantas hat sich "Schnee" angesehen.    

Ohran Pamuk, une voix qui porte
Theater: "Schnee" von Literaturnobelpreisträger Ohran Pamuk Im Straßburger Nationaltheater ist "Schnee" von Orhan Pamuk erstmals auf der Bühne zu sehen.  Theater:

 

Orhan Pamuk, 1952 in Istanbul zur Welt gekommen, hat 2005 mit dem Roman "Schnee" das Interesse einer internationalen Leserschaft geweckt. In seinem eigenen Land war der Schriftsteller damals schon als kritischer Denker bekannt. Durch seine offene Haltung zum Völkermord an den Armeniern zog er den Zorn des nationalistischen Lagers auf sich.

Für "Schnee" erhielt Orhan Pamuk 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2006 den Literaturnobelpreis. Nun inszeniert die Regisseurin Blandine Savetier im Nationaltheater von Strasbourg Pamuks Roman als gleichnamiges Theaterstück.

 

"Schnee" - eine wahr gewordene Farce

Im Roman fährt der Dichter Ka nach zwölf Jahren in Frankfurt zurück in eine anatolische Kleinstadt. Dort versucht Ka im Auftrag einer Zeitschrift die Selbstmorde junger Frauen aufzuklären, die wegen des Kopftuchtragens am Betreten der staatlichen Universität gehindert werden. Außerdem möchte er seine Kindheit wiederentdecken und die Prinzessin seines Herzens heiraten.

Doch der Dichter gerät unfreiwillig ins Spannungsfeld sich bekämpfender Gruppierungen, zwischen türkische und kurdische Nationalisten, die Armee sowie islamische Fundamentalisten. Und alle wollen ihn, den Dichter aus dem Westen, auf ihre Seite ziehen. Pamuk sagte 2005 voraus, was die Türkei heute beschäftigt. In "Schnee" zeichnet er das Bild einer extremistischen Nation, die sich selbst zerfleischt.

Dossier: Völkermord an den Armeniern

Rund 1,5 Millionen Menschen kamen zwischen 1915 und 1917 ums Leben. Die Türkei leugnet den Genozid. Unser Dossier.

Mit der Publikation im Jahr 2005 löste der kritische Schriftsteller eine Debatte um den Völkermord an den Armeniern aus. Mit seiner kritischen Haltung gegenüber dem türkischen Verhältnis zur eigenen Geschichte und mit seinen Anspielungen auf die ausgelöschte armenische Kultur brach er ein nationales Tabu.

Wegen "Herabwürdigung des Türkentums" wurde Orhan Pamuk vor Gericht gestellt. Der von der Europäischen Union heftig kritisierte Prozess gegen Pamuk wurde später wegen juristischer Fehler eingestellt.

 

Erzählungen einer gespaltenen Türkei

Immer wieder greift Pamuk in seinem Schaffen die Gegensätze seines Landes auf: Macht und Moral, Atheismus und Religiosität, Tradition und Fortschritt. Oft dient die zerrissene Türkei dabei als Kulisse für Liebesgeschichten. Schon sein erster Roman von 1982, "Cevdet und seine Söhne", handelt von einer Liebesbeziehung vor dem Hintergrund einer sich verändernden Türkei. In seinem letzten Roman, "Diese Fremdheit in mir" (2016), erzählt Pamuk vom Leben eines Straßenverkäufers in dem Moment, in dem sich Istanbul in eine moderne Metropole verwandelt.

 

Mehr zum Thema: Square hat dem türkischen Schriftsteller 2012 eine Sendung gewidmet. 

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Zuletzt geändert am 7. Februar 2017