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Sanktionen kontra Embargo - Das Duell EU-Russland

Länder: Russland

Tags: Russisches Embargo, Lebensmittel


Eigentlich importiert Russland seit dem Sommer keine Lebensmittel aus der Europäischen Union mehr. Doch westliche Bauern suchen nach Möglichkeiten, um das russische Embargo zu unterlaufen.

 

Gemüse nein, Wein ja!

Einfuhrstopp für Obst und Gemüse, Fisch und Milchprodukte „made in EU“... So lautet seit diesem Sommer Russlands Botschaft an die Europäische Union. Seit dem 7. August 2014 hat Moskau die Einfuhr von Lebensmitteln - außer Wein und Spirituosen - aus den EU-Ländern verboten. Das Embargo ist die Vergeltungsmaßnahme für die westlichen Sanktionen im Juli, mit denen die Missbilligung der russischen Verwicklung in den Ukraine-Konflikt signalisiert werden sollte.

Damals hatte Brüssel eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, um den Zugang Russlands zu den europäischen Finanzmärkten zu beschränken. Außerdem wurde die „schwarze Liste“ der russischen Bürger, die in den EU-Ländern bereits als unerwünschte Personen geführt wurden, um vierundzwanzig Namen verlängert. Die Blockierung der Konten von vier Geschäftsleuten, allesamt enge Putin-Freunde, stellte eine weitere Strafmaßnahme des Westens dar.

 

Garnelen aus Weißrussland

Einige westliche Exporteure haben bereits Lösungen gefunden, um ihre Produkte trotz des Embargos nach Russland zu befördern: In einem Land, das nicht von den Gegenmaßnahmen des Kreml betroffen ist, kleben sie einfach neue, anders beschriftete Etikette auf ihre Waren. Ein anderes Mittel besteht darin, den Umweg über Weißrussland und Kasachstan zu nehmen, denn diese beiden Länder unterliegen nicht den russischen Zollkontrollen. Dadurch können sie Produkte aus EU-Ländern legal einführen und sie dann in Russland weiterverkaufen. Das Ergebnis ist manchmal überraschend: Neuerdings konsumieren die Russen Garnelen aus Weißrussland, einem Land ohne Meereszugang!

 

Ricotta „made in Russia“

Moskau profitiert von dem Embargo, um für seine eigenen Produkte zu werben. In den Restaurants, in denen noch vor kurzem Meeresfrüchte aus Frankreich serviert wurden, stehen jetzt Beefsteak und Blini auf der Speisekarte.

Russland ist noch etwas anderes eingefallen, um nicht auf europäische Lebensmittel verzichten zu müssen: Das Land des Wodkas produziert neuerdings – Käse! Eine BBC-Reportage zeigt, dass die Milchprodukt-Regale der Moskauer Supermärkte jetzt mit Gouda, Edamer und Ricotta „made in Russia“ gefüllt sind.

Nadine Ayoub

 

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017