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Russlands Dopingskandal

Länder: Russland

Tags: Doping, Olympia, Rio

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat wenige Wochen vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Rio dem Doping den Kampf angesagt. Die Dopingproblematik stand gleich am ersten Tag der Tagung des Exekutivausschusses Anfang Juni in Lausanne auf der Tagesordnung. Mit einem fünf-Punkte Programm sollen Maßnahmen ergriffen werden, um das Doping einzudämmen: So will der Ausschuss beispielsweise das Budget für Dopingkontrollen vor den Spielen auf 500.000 Dollar verdoppeln. Besonders Sportler aus Russland, Kenia und Mexiko sollen verstärkt kontrolliert werden.

"Wir wollen keine gedopten Sportler in Rio de Janeiro. Darum handeln wir derzeit so schnell", erklärte der Präsident des IOC Thomas Bach. Erst kürzlich hatte der IOC 23 Fälle von Doping bei den Olympischen Spielen in London 2012 bestätigt, die durch neue Analyse-Methoden aufgedeckt wurden. Auch von Analysen für die Olympischen Spiele in Peking 2008 kamen 31 auffällige Testergebnisse zurück. Dadurch fielen auch 14 russischen Sportler unter Verdacht.

 

Der russische Skandal begann mit den Enthüllungen Grigory Rodchenkows. Der ehemalige Moskauer Laborchef behauptete gegenüber der New York Times, dass die russischen Athleten während der Olympischen Winterspiele in Sotchi 2014 von einem staatlich gelenkten Dopingsystem profitiert hätten. Das IOC reagierte auf diese Enthüllungen, indem es "seine Besorgnis" mitteilte und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA beauftragte, "unverzüglich eine Untersuchung durchzuführen". Die russischen Behörden ihrerseits zogen die Aussage ihres ehemaligen Laborchefs in Zweifel.

 

Die Aussage des Moskauer Laborchefs

Grigory Rodchenkow behauptet, einen Cocktail von drei anabolen Steroiden (Metenolone, Trenbolone und Oxandrolone) entworfen zu haben, den er mit Alkohol vermischt habe, um die Nachweiszeit der Dopingmittel zu verkürzen. Der russische Geheimdienst sei seinerseits tätig geworden und habe in der Nacht die nach den Wettkämpfen abgegebenen Urinproben durch "saubere" Proben der russischen Athleten ausgetauscht. Diese sauberen Proben seien Monate vorher von den Sportlern gesammelt worden. Als Beweis legte Rodchenkow der New York Times den Email-Verkehr mit dem russischen Sportministerium vor, in dem die Namen der von dem Programm profitierenden Athleten erwähnt werden.

 

Die russischen Athleten waren bereits im letzten November ins Visier der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA geraten. Der Weltleichtathletikverband (IAAF) hatte im November 2015 eine vorläufige Sperre auf unbestimmte Zeit der Russischen Föderation für alle Wettkämpfe im Bereich der Athletik ausgesprochen. Diese Strafe führte dazu, dass Russland die Leichtathletik-Juniorenweltmeisterschaften, die in diesem Juli in Kasan stattfinden sollten, nicht ausrichten durfte. Jüngst sind das Ringen und das Schwimmen in den Focus der Ermittlungen geraten: auch hier besteht der Verdacht auf ein von internationalen Sportbehörden gelenktes Dopingsystem.

 

Angesichts der drohenden Sperre für die Olympischen Spiele in Rio beklagte die bekannte Stabhochspringerin Yelena Isinbayeva „eine gezielt gegen Russland gerichtete Kampagne“. Die Russin machte auch deutlich, dass sie bereit sei, rechtliche Schritte einzuleiten. "Ich bin mir sicher, dass ich eine hundertprozentige Chance habe, vor den Gerichten zu gewinnen. Warum schaut die ganze Welt nur auf Russland? Doping ist ein weltweites Problem. Wenn sie wirklich Maßnahmen gegen das Doping ergreifen wollen, müssen sie die Augen öffnen und auch in andere Richtungen blicken. Ansonsten ist das eine gezielt gegen Russland gerichtete Kampagne". Eine Sammelklage von insgesamt 68 russischen Leichtathleten wurde allerdings am 21. Juli vom Internationalen Sportgerichtshof zurückgewiesen.

 
"Doping wird seid langem diskutiert, aber keiner handelt."

Die Sportverbände sind sich einig, dass das Vertrauen der öffentlichen Meinung nur durch effektive Kontrollen im Kampf gegen das Doping wiederhergestellt werden kann. Sie fordern die Untersuchung aller russischen Sportler aller Disziplinen und ein hartes Durchgreifen der Welt-Anti-Doping-Agentur gegenüber den russischen Behörden, so wie das auch individuell gegenüber den Athleten geschehen ist.

 

Für Bernard Amsalem, Präsident des französischen Leichtathletikverbandes, ist Doping ein Problem, von dem die ganze Welt seit langem spricht, ohne aber zu handeln. Er ist der Ansicht, dass die Teilnahme der Russen an den Olympischen Spielen in Rio verhindert werden müsse.

 

Entscheidung des IOC

Und genau über diese Frage hat das IOC hat am 24. Juli abgestimmt: Das Komitee hat sich mehrheitliche gegen eine Totalsperre ausgesprochen. Die Entscheidung über die Teilnahme an den Sommerspielen wurde auf die jeweiligen Weltverbände übertragen. Können die Sportler gegenüber ihren Verbänden nachweisen, dass sie nicht in die staatliche Dopingmaschinerie verwickelt waren, dürfen sie offiziell unter russischer Flagge starten. Allerdings bedarf es zusätzlich einer Bestätigung des eingerichteten Dreierkomitees der IOC-Exekutive.

Während der internationale Gewichtheber-Verband die acht normierten russischen Athleten von den Spielen ausgeschlossen hat, gab es für die Tennisprofis bereits grünes Licht.

Besondere Auflagen gelten jedoch für die Leichtathleten. Der zunächst beschlossene, universelle Ausschluss wurde aufgehoben. Starten dürfen nun doch "saubere" Leichtathleten:  Sportler mit gültigen Dopingtests außerhalb des russischen Systems.

Die Leichtathletin Julija Stepanowa bleibt jedoch weiterhin gesperrt, obwohl sie maßgeblich zur Aufdeckung des Dopingskandals beigetragen hat. Nach dem IOC erfülle sie nicht die notwendigen "ethischen Anforderungen", aufgrund einer 2013 verhängten Dopingsperre. 

Russlands Sportminister Witali Mutko begrüßte die Entscheidungen des IOC und erklärte: "Russland ist für eine Teilnahme sauberer Athleten bereit, alle Bedingungen des Internationalen Olympischen Komitees einzuhalten. Wir werden alles machen, was das IOC uns sagt".

Russland: Ja, Stepanowa: Nein – der ICO-Chef Thomas Bach wird von vielen Seiten stark kritisiert. Eine politische Botschaft hinter dem Beschluss ist allerdings nur schwer abzustreiten.

Zuletzt geändert am 1. August 2016