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Russland: Das Schicksal von Oleg Sentsow im Schatten der WM

Länder: Russland

Tags: Oleg Sentsov, Hungerstreik, oleg sentsow, Wladimir Putin

Der ukrainische Filmemacher, der sich gegen die Annexion der Krim durch Russland ausgesprochen hat, verbüßt ​​gegenwärtig eine 20-jährige Haftstrafe in Sibirien. Seit 2015 sitzt Oleg Sentsow bereits im Gefängnis, seit fast zwei Monaten befindet er sich im Hungerstreik.

"Wenn nichts passiert, wird Oleg Sentsow sterben." Als Emmanuel Macron am Dienstag, den 10. Juli, für das Fußballspiel Frankreich gegen Belgien nach St. Petersburg reiste, unterzeichneten mehr als 150 Filmemacher eine Petition für die Freilassung des ukrainischen Filmemachers Oleg Sentsow. "Die Zeit drängt", steht darin geschrieben. Und das aus gutem Grund: Kein Mensch hat in der Geschichte mehr als 70 Tage im Hungerstreik überlebt, die tödliche Schwelle liegt im Durchschnitt bei 40 Tagen. Der traurige Rekord: Bobby Sands, ein irischer Nationalist, starb nach 66 Tagen. 

WM in Russland: Querelen unerwünscht

Oleg Sentsow fordert nicht etwa seine eigene Freilassung, sondern die von 70 ukrainischen politischen Gefangenen. In "The Trial", einem Dokumentarfilm über seinen Prozess, sagt Sentsow mit ernster Stimme: "Ich sehe keinen Sinn darin, Prinzipien zu haben, wenn wir nicht bereit sind, für diese Prinzipien zu leiden oder gar zu sterben." 

Sentsow wurde wegen der "Organisation einer Terrorgruppe" verurteilt und wird beschuldigt, Lenins Statue in Simferopol auf der Krim in die Luft gesprengt zu haben. Im November 2013 entschied sich der Filmemacher, sein politisches Engagement im Zuge der proeuropäischen Bewegung Euromaidan zu intensivieren: Etwa mit Straßendemonstrationen oder Nahrungszulieferungen an ukrainische Soldaten. Über ein Jahr lang beteiligte er sich aktiv am Kampf gegen die russischen Separatisten. Verhaftet, und im Zuge dessen höchstwahrscheinlich gefoltert, wurde er laut Amnesty International 2015 nach einem Scheinprozess verurteilt. 

Der Kreml gab zu verstehen, dass eine Begnadigung nur auf ausdrücklichen Wunsch von Oleg Sentsow in Erwägung gezogen werden könne. Er, der jedoch die Freilassung all seiner ukrainischen Mithäftlinge fordert, lehnt ab. Viele haben Emmanuel Macron dazu aufgerufen, Wladimir Putin davon zu überzeugen, Oleg Sentsow zu entlassen. Aus französischen Regierungskreisen heißt es, der französische Präsident habe wiederholt das Schicksal von Sentsow in Gesprächen mit Wladimir Putin angesprochen.

Zuletzt geändert am 13. Juli 2018