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Rumänien: Erinnerungen an die Diktatur

Länder: Deutschland

Tags: #Rumänien, #Ceausescu, #Diktatur, Kommunismus

Am 26. Januar wäre Nicolae Ceausescu 100 Jahre alt geworden. Von 1965 bis 1989 führte er das brutalste kommunistische Regime des gesamten Ostblocks, während seiner Herrschaft verwandelte sich Rumänien in ein Armenhaus. Die Menschen litten unter dem selbsternannten Führer – acht von ihnen lassen wir mit persönlichen Geschichten zu Wort kommen.

Wenn die Menschen in Rumänien heute an den Conducator (dt. Führer) denken, dann erinnern sie sich an Lebensmittel-Rationierungen und leere Regale, an fehlende Medikamente, an eine strikte Anti-Abtreibungspolitik, die zahlreiche Mütter mit ihrem Leben bezahlten. Und sie erinnern sich an etliche Dörfer, die Ceausescu für eigene Bauprojekte niederwalzen ließ, während sie in Streichholzschachtel-Bauten umziehen mussten.

Sie erinnern sich an die Securitate, die damaligen Geheimdienstmitarbeiter, die durch Zwangsabgaben und Bestechungen zu reichen Männern wurden. An zahllose Briefe und Telefongespräche, die nie privat blieben. Und an die körperliche und psychische Folter, die sie in Gefängnissen ertragen mussten.

Die Menschen denken an seine Frau, Elena Ceausescu, zurück. An die hohen Regierungsposten, die sie und ihre Familie durch ihren Mann erlangten. An ihren Schmuck, ihre Pelzmäntel, ihren dekadenten Lebensstil, während die Bürger selbst mit Strom- und Wassereinsparungen zurechtkommen mussten. Und an den Bau ihres Lieblingsprojekts, den Parlamentspalast, welcher rund 40.000 Rumänen in der Hauptstadt Bukarest ihre Heimat kostete.  

Sie denken auch an die miserable Wirtschaftslage zurück. An die Exportpolitik des Diktators, welche die Menschen ausbluten ließ. An die Zentralwirtschaft und Industrieförderung, durch die das Land riesige Schuldenberge anhäufte.Und an den boomenden Schwarzmarkt, der durch den Verbot sämtlicher Importe aufblühte.

Klicken Sie auf die Fotos, um in die verschiedenen Geschichten einzutauchen:

 

Die Rumänische Revolution
Im Dezember 1989 begannen die Aufstände gegen das kommunistische Regime. Es kam zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Regimegegnern und Befürwortern. Bis heute bleibt ungeklärt, wer gegen wen kämpfte und ob es ein Staatsstreich war. Am 22. Dezember ergriffen Nicolae und seine Frau Elena Ceausescu die Flucht. Sie wurden von der Armee in Gewahrsam genommen und am 25. Dezember vor einem improvisierten Militärtribunal des Völkermords beschuldigt. Ein Exekutionskommando erschoss das Ehepaar noch am selben Tag. Die Revolution geht als die blutigste in Osteuropa ein. Über 1.000 Menschen verloren ihr Leben.

Rumänien heute
Seit 2007 ist Rumänien Teil der EU, doch die Bevölkerung kämpft weiter mit den Folgen des Kommunismus: Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit. 2014 wird der rumäniendeutsche Klaus Johannis Staatsoberhaupt des Landes. Seit 2017 kommt es immer wieder zu Protesten gegen politische Korruption. Die Revolution gilt bis heute als nicht vollständig aufgearbeitet.

Zuletzt geändert am 30. Januar 2018