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Rumänien – Ein Paradies für Spieler?

Länder: Rumänien

Tags: Glücksspiel, Online-Spiele, Steuern

Mit einer Glücksspielsteuer will die rumänische Regierung ihre Staatsschulden abbauen. Die Rumänen spielen oft und gerne, doch die neuen Maßnahmen könnten den Glücksspielmarkt merklich schwächen.

Rumänische Pokerfans können aufatmen: Zocken im Internet, früher mit einer sechs- bis vierundzwanzigmonatigen Haftstrafe belegt, ist fortan offiziell erlaubt. Im letzten Dezember hat die Regierung das virtuelle Glücksspiel gesetzlich legalisiert. Doch im gleichen Atemzug erhöhte sie die Steuern auf Spielautomaten, Sportwetten und Kasinos – denn Glückspiel ist beliebt, und der Staat wittert hier einen neuen Goldesel, der ihm beim Abbau des Schuldenbergs helfen soll.

Das Land baut auf die Spielleidenschaft seiner 19 Millionen Einwohner, um seine Versprechen gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einzuhalten. Im Dezember 2014 hatte der sozialdemokratische Ministerpräsident Victor Ponta für 2015 eine Senkung des jährlichen Haushaltsdefizits auf 1,83% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angekündigt; im Jahr zuvor waren es 2,2%. „Wir rechnen für 2015 mit rund 100 Millionen Euro indirekter Steuereinnahmen durch das Glücksspiel“, erklärte Cristinela Nistor, die Präsidentin der Nationalen Glücksspielbehörde, gegenüber der französischen Presseagentur AFP. Der Gesamtmarkt wird auf 800.000 Euro geschätzt. 

 

Gefahr für die ganze Branche

Während den Spieler das neue Gesetz zugute kommt, fürchten sich die Betreiber von Spielhöllen und Kasinos vor der Steuerlast, die schon jetzt „an der Grenze des Erträglichen“ sei. Auf die Glücksspiellizenz steht in Rumänien künftig eine umsatzabhängige Steuer von bis zu 180.000 Euro jährlich. Am härtesten trifft es die Spielhöllenbesitzer mit einer Steuer zwischen 5.700 und 20.000 Euro im Jahr.

Manche Beobachter bezeichnen das Gesetz, das eigentlich die Staatskassen füllen sollte, daher als potenziell kontraproduktiv: „Diese Maßnahme wird zu einem Markteinbruch führen und daher keine zusätzlich Staatseinnahmen generieren“, behauptet Alexadru Debrezeni, der Leiter des Vereins Romanian Bookmakers. Zumal von den ehemals 22 Kasinos im ganzen Land (2009) schon jetzt nur noch fünf übrig sind, deren Kundenzahl von vierhundert auf fünzig Spieler am Tag gesunken ist. 

Franck Berteau

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016