Rumänien: Armut "Made in Europe"

ARTE Reportage - Samstag, 30. September 2017 - 16:40

Länder: Rumänien

Tags: Bekleidungsindustrie

Wer denkt, dass "Made in Europa" auch fair bezahlt wird, der sollte sich die Textilindustrie Rumäniens anschauen…

Ein Viertel der rumänischen Exporte sind Textilprodukte und ein Fünftel der rumänischen Bevölkerung zählt zu den Working Poor. „Rumänien ist definitiv das Bangladesch von Europa“, sagt Victoria Stoiciu von Friedrich Ebert-Stiftung in Bukarest: „Wir wurden zu einem Land, das die Strategie von Entwicklungsländern verfolgt, niedrige Löhne, sehr geringe Investitionen in Ausbildung, Gesundheit und Soziales.“ 300 Euro im Monat verdienen Arbeiter und Arbeiterinnen in der Textilindustrie, den gesetzlichen Mindestlohn – dabei sind die Preise für Lebensmittel ähnlich hoch wie in Mitteleuropa. Unbezahlte Überstunden, keine Heizung im Winter, keine Lüftung im Sommer, Ohnmachtsanfälle, brüllende Chefs – aber die Textilindustrie Rumäniens wirbt mit dem Label Made in EU und suggeriert damit „Fairness“ und „Qualität“.

Als die rumänische Journalistin Laura Stefanut über die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie in Rumänien und Bulgarien schrieb, wurde sie von der Textilindustrie auf Schadensersatz verklagt, wegen Rufschädigung - eine Klage, die später fallengelassen wurde. Die Arbeitgeber verteidigen ihre Niedriglohnstrategie mit dem Argument,  die Industrie in Rumänien stehe in harter Konkurrenz mit Billiglohnländern in Asien wie Bangladesch und Myanmar oder auch mit dem Nachbarn Ukraine. Unserem Reporter gelang es, mit den Arbeiterinnen und Unternehmern in Rumänien zu sprechen. 

 

Von Eberhard Rühle, Laura Stefanut, Nikolaus Hinrich Tarouquella, Nicole Fischer – ARTE GEIE / Apollofilm – Frankreich 2017 

Zuletzt geändert am 13. Oktober 2017