Ruanda: High-Tech made in Kigali

Länder: Ruanda

Tags: high-tech

Zwanzig Jahre nach dem Völkermord soll aus dem Agrarstaat Ruanda ein Hightech-Land werden.

Rwanda, High tech made in Kigali
Ruanda: High Tech made in Kigali Zwanzig Jahre nach dem Völkermord soll aus dem Agrarstaat Ruanda ein Hightech-Land werden.  Ruanda: High Tech made in Kigali

 

Ginge es nach dem autokratisch regierenden Präsidenten, so soll aus Ruanda in den nächsten Jahren das neue Singapur Ostafrikas werden. Ein High-Tech-Hub für digitale Dienstleistungen aller Art. Die große Chance sieht die Regierung in der Informationstechnik und Kommunikationstechnologie. Sie sollen es ermöglichen, ganze Entwicklungsphasen zu überspringen und in einigen Jahren einen Stand der Modernisierung zu erlangen, für den andere Nationen Jahrzehnte brauchten.

Ist das wirklich machbar? Eines ist klar: Das Projekt fasziniert viele Beteiligte – die jungen Unternehmer, die Regierung, Banken, Mobilfunkanbieter, ausländische Investoren, und sogar die Skeptiker. Trotz großer Fortschritte und ehrgeiziger Pläne bleiben allerdings auch enorme Herausforderungen: So haben nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung Ruandas Zugang zur Stromversorgung, in manchen Regionen hungern die Menschen. Eine Reportage über das Ruanda von heute und die Vision von einem neuen Land.
 

Von Michael Unger, Eric Bergeron, Frédéric Grimm und Clément Uwiringiyimana – ARTE GEIE - Frankreich 2017

Kein Schatten auf's Land

Was darf man in Ruanda sagen oder zeichnen? Wer darf es tun?

Sicher: Ruanda ist ein aufstrebender Staat. Eines der Länder Afrikas mit dem größten Wirtschaftswachstum. Leider geht diese Entwicklung einher mit Autokratie und Abwesenheit von Meinungsfreiheit.
Wir haben einen der wenigen international bekannten Zeichner Ruandas gebeten, seine Vision des Landes für ARTE zu zeichnen. Es sind fast "harmlose" Zeichnungen geworden, aus denen die Selbstzensur spricht. Denn als Journalist oder Karikaturist offene Kritik zu üben an der Regierungspolitik ist gefährlich. Unter der Oberfläche des sauberen Staates brodelt es.

Die Angst, dass jemand mithören könnte, ist ständig gegenwärtig. Es drohen kaschiertes Berufsverbot, Haft oder Schlimmeres. Insofern sind diese Zeichnungen nicht harmlos, vielmehr mutig:  "Ohne Demokratie, sagt uns der Zeichner Ndarama, hat Fortschritt keinen Bestand."

 

Ndarama Assoumani wurde am 12. August 1985 in Bujumbura, Burundi, geboren. Ndarama ist ausgebildeter Zeichner und Karikaturist von Beruf. Seine Schulerziehung absolvierte er in Burundi Ngagara und zog dann Ende 1994, nach dem Völkermord, nach Ruanda. Sein Kunst-Studium machte er in Kimihurura und am Kicukiro College in Kigali.
Seine Laufbahn als Cartoon-Zeichner begann er 2007 als Freelancer für verschiedene größere Unternehmen, unter anderem für das Magazin IngaboThe Service Mag, Igihe Ltd, Ruhagoyacu, Imvaho Nshya. Aufgrund seiner teilweise kritischen Arbeit verlor er seine Festanstellung bei einer der regierungsnahen Zeitungen. Ndarama meint, beim Arbeiten als Cartoonist in Ruanda müsse man immer auch mit einem „dritten Auge“ hinschauen. Mit dem Blick auf das, was im Lande politisch tabu ist. Die Furcht vor Sanktionen führe zu einer Selbstzensur und viele Zeichnungen landeten im Papierkorb.

Zuletzt geändert am 10. März 2017