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Auf den Spuren von Roman Lipski

Länder: Deutschland

Tags: Roman Lipski, Polnisch

Diese Woche stellen wir Ihnen den Künstler Roman Lipski vor. Geflohen aus dem sowjetisch-deprimierenden Polen hat er in Berlin seine Passion fürs Malen entdeckt. Jenseits aller Regeln des Kunstmarktes ist er dort bekannt geworden. Bis vor wenigen Tagen stellte er bei der Kunstmesse "Positions" aus. Derzeit sind seine Werke in der Münchner Galerie "Sophisticated" ausgestellt. ARTE Journal hat den facettenreichen Künstler getroffen. 

 

Wer ist Roman Lipski?

Roman Lipski ist ein berlinisch-polnischer Maler und eigentlich ein Phänomen - denn er hat es geschafft erfolgreich zu sein jenseits jeglicher Logik des Kunstmarktes und ohne großen internationalen Galeristen. Er hatte einige Angebote, aber wollte nicht: Er wolle seine Freiheit nicht verkaufen und sein größte Sorge dabei, „grüne Bilder passend zum Sofa“ malen zu müssen. Also ist sein Atelier auch seine Galerie. Dort geht übrigens auch Volker Schlöndorff ein und aus.

Bekannt wurde Roman Lipski mit seinen großformatigen unwirklich und unheilvoll anmutenden Landschaften. Dann hat er sich auf die Gesichter von Dichtern und Denkern wie der polnischen Dichterin und Nobelpreisträgerin Wistawa Szymborska verlegt.

Er ist 89 als polnischer Spätaussiedler nach West-Berlin gekommen, hat erst in Flüchtlingsheimen gelebt, jeden Job gemacht, der sich ihm bot, dann hat er mit anderen, die waren wie er – also Künstlern, die auf dem Bau arbeiteten - den legendären „Club der polnischen Versager“ gegründet. Sie machten Theater, Hörspiele, eine Zeitung. Jeder konnte machen, was er wollte. Auch einfach nur vorbeikommen und lesen, denn es gab auch eine ganze Bibliothek und natürlich polnisches Bier.

Hier war Scheitern Programm. Das gab Roman Lipski Selbstvertrauen. Er wurde der Assistent von Max Neumann, einem bekannten Berliner Maler. Sein Meister, wir Roman sagt. Bei ihm hat er viel gelernt, hat Neumann seine Bilder gezeigt – und malte.

Auf einer Vernissage von Immendorf sprach er dann den Sammler und Mäzen Erich Marx an und der förderte ihn 2 Jahre, damit er einfach erstmal malen konnte. So hatte Marx auch schon Cy Twombly entdeckt. Heute stellt Roman in den USA, China, Polen und Deutschland aus. Und sein Werk ist in namhaften Sammlungen vertreten, etwa der Sammlung Marx, der Stiftung des Malers Alex Katz und im Museum of Fine Arts in Boston.

Roman Lipski versteht sich als Berliner Maler, denn erst hier wurde er zum Künstler - in Polen wäre das nie so möglich gewesen, sagt er. Und sowieso schämt er sich gerade für sein Geburtsland, weil es sich weigert, Flüchtlinge aufzunehmen. Dabei sind viele Polen wie auch Roman selbst damals im kalten Krieg vor dem Regime und der Armut geflohen.

Zuletzt geändert am 1. August 2016