Ramallah: Der Geiger der Intifada

Länder: Palästina

Tags: Intifada, Musik

Es gibt ein Foto von ihm von einem seiner allerersten Auftritte: Nicht als Geiger sondern als einer der Steine wirft, gegen die Soldaten der Israelischen Armee, damals 1987, während der ersten Intifada. Es ist dieses Foto, das seinen späteren Ruhm auf eine besondere Art unterstreicht, seinen Ruhm als den Geiger Ramzi Abu Redwan. 

Im Flüchtlingslager AL Amari von Ramallah wächst er auf, dort wehrt er sich wie seine Freunde mit Steinen gegen die israelischen Soldaten, bis er die palästinensischen Musiker kennenlernt, die nach dem Abkommen von Oslo 1993 in ihre Heimat zurückkehren. Und er beschließt, Musiker zu werden. 

Ein Jahr später geben Musiklehrer aus Frankreich ein Konzert in Jerusalem und in Ramallah: Ramzi ist einer von zwei Schülern, denen sie das Angebot machen, Geige am Konservatorium von Angers zu studieren.

Schon während seiner Studienjahre denkt er darüber nach, wie er einmal den Kindern in den Palästinensischen Gebieten Musikunterricht anbieten könnte – Musik spielte damals kaum eine Rolle in ihren Lehrplänen. 

Der ARTE-Reporter lernte Ramzi vor sieben Jahren kennen und drehte damals ein Porträt von ihm. Sieben Jahre später fuhr er wieder zu ihm und erlebte, wie aus der Idee des Jungen Wirklichkeit geworden ist: Sein Verein Al Kamandjati (der Geiger auf Arabisch) hat Erfolg, die Musik und wie man lernt sie zu spielen, beginnt allmählich wieder eine Rolle zu spielen bei den Palästinensern. Aus dem Steinewerfer ist ein Musiker und ein Lehrer geworden. Ramzis Geschichte könnte als Vorbild dienen und als Ansporn, den Weg des Friedens zwischen Israel und Palästina weiter voranzuschreiten, trotz aller politischen Konflikte.  

Eine reportage von William Irigoyen, Solène Doerflinger und Isabelle Nommay – ARTE GEIE / Archives Bonobo Productions – Frankreich 2012

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016