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Prostitution, das große europäische Chaos

Länder: Frankreich

Tags: Gesetz, prostitution

Seit mehr als einem Jahr bereits wird in Frankreich über ein neues Gesetz zur Prostitution gestritten. Die Nationalversammlung hat den Text Ende 2013 verabschiedet. Den Freiern wird darin eine Geldstrafe von 1500 Euro angedroht. Im Gegenzug sollte ein Straftatbestand gegen die Prostituierten wegen „Kundenfangs“ wegfallen, der sowohl Haft- wie Geldstrafen beinhaltete. Zudem sollte der Kampf gegen die Zuhälter intensiviert werden, den oft zwangsweise anschaffenden Prostituierten wollte man Hilfe zukommen lassen. Inspiriert war das Gesetz aus Schweden. Es fehlt allerdings noch die Zustimmung der zweiten Kammer, des Senats. Der hat am Montag seine Beratungen aufgenommen. Das Problem: im Senat haben sich letzten September die Mehrheitsverhältnisse geändert. Die konservative Opposition hat jetzt das Sagen – sie will den Text auf keinen Fall passieren lassen und hat bereits zahlreiche Änderungsanträge hineingeschrieben. In Frankreich ist Prostitution legal, nur Zuhälterei wird bestraft. Doch ein Blick auf die europäischen Nachbarländer zeigt, dass sich die Situationen sehr stark voneinander unterscheiden.

 

 

Von einer einheitlichen Haltung in dieser Frage ist Europa noch weit entfernt. In bestimmten Ländern ist Prostitution ganz einfach verboten – grundsätzlich. Andere Länder sehen sexuelle Dienstleistungen als normale Berufe an, während in wieder anderen eine Tendenz zu deren Abschaffung besteht. Prostitution gilt dort als „Gewalt gegen Frauen und als Verstoß gegen Menschenrechte“. In geschlossenen Bordellen allerdings ist Prostitution faktisch weiterhin erlaubt. Und schließlich gibt es Länder mit noch radikaleren Lösungen – Vorbild ist Schweden. Dort werden Kunden Prostituierter bestraft. Dies nimmt Frankreich sich als Vorbild.

 

Die Bewegung zur Abschaffung von Prostitution geht auf die UN-Konvention zur „Unterbindung des Menschenhandels und der Ausnutzung der Prostitution anderer“ von 1949 zurück. Diese bezieht sich vor allem auf Frauen. Doch organisierte Netzwerke für Frauenhandel gibt es auch heute noch, besonders im Süden Europas. Zuhälterei in Europa ist schwer zu ahnden, da sie vor allem über Mobilfunk organisiert wird. Die eigentlichen Zuhälter bleiben meist in ihrem Herkunftsland. Von dort aus heuern sie Kleinkriminelle an, die für sie die Frauen vor Ort kontrollieren. 

 

Vor allem um diese Art von Menschenhandel zu bekämpfen, hat Schweden vor gut 10 Jahren eine neue Rechtsprechung eingeführt. Sie sieht die Bestrafung von Kunden vor. Kritiker bezeichnen dies allerdings als scheinheilig, weil dadurch die Arbeitsbedingungen für die Prostituierten nur noch verschlimmert würden. Und als illusorisch dazu, denn – so die Kritiker – „sexuelle Bedürfnisse lassen sich nicht abschaffen“. Prostitution wäre also dazu da, diese zu stillen. Und darauf hat die Frau sich einzustellen? Die Debatte ist eröffnet…

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016