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Prix Goncourt für Roman über spanischen Bürgerkrieg

Länder: Frankreich

Tags: Literatur, Goncourt, Médicis, Renaudot, Preise

Der wichtigste französische Literaturpreis geht an Lydie Salvayre für ihr Werk „Pas pleurer“, zu Deutsch: „nicht weinen“. Darin geht es um den Bürgerkrieg in Spanien ab 1936. Salvaire verarbeitet darin auch ihre eigene Geschichte: Ihre Eltern flohen vor dem Franco-Regime aus Spanien nach Frankreich.

Lydie Salvayre, la surprise du Goncourt

 

 

Salvayre setzte sich erst im fünften Wahlgang gegen ihre Konkurrenten durch, die Jury in Paris sprach ihr den Preis schließlich mit fünf zu vier Stimmen durch. Der Goncourt für Salvayre ist eine Überraschung: Zuvor waren ihre Konkurrenten als Favoriten gehandelt worden, der Algerier Kamel Daoud und der Franzose David Foenkinos. Ganz leer geht Foenkinos allerdings nicht aus: Er erhielt den Prix Renaudot für „Charlotte“, eine Hommage an die deutsch-jüdische Künstlerin Charlotte Salomon, die mit 26 Jahren im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.

 

Drei wichtigste Literaturpreise Frankreichs vergeben

 

Bereits gestern wurde der Schriftsteller Antoine Volodine mit dem rennomierten Literaturpreis „Médicis“ ausgezeichnet, und zwar für seinen Roman „Terminus radieux“. Die Geschichte spielt in einem nach Atomkatastrophen verstrahlten Sibirien. Etliche von Volontines mehr als 30 Büchern erschienen auch auf Deutsch.

Gering dotiert, große Wirkung

 

Der Prix Goncourt ist der wichtigste Literaturpreis Frankreichs, gefolgt vom Prix Renaudot und dem Preis „Médicis“, der zwar undotiert ist, aber trotzdem zu den wichtigsten Auszeichnungen gehört. Auch der seit 1903 vergebene Prix Goncourt ist lediglich mit symbolischen zehn Euro dotiert. Sein Wert besteht darin, dass er dem Autor und dessen Verlag eine hohe Auflage garantiert, im Durchschnitt 400.000 Exemplare. Zudem steigt in der Regel die Zahl der Übersetzungen. Der Medienrummel um die Preise ist enorm, für den jeweiligen Verlag gleicht dies dem Gewinn eines Jackpots. Das Verlagshaus Gallimard liegt dabei an der Spitze: Es veröffentlichte 37 der insgesamt 111 Werke, die mit dem Goncourt ausgezeichnet wurden.

 

Frankreich liebt seine Literaturpreise

 

Die ausgeprägte Tradition des Literaturpreises ist ein sehr französisches – und in der Welt einmaliges - Phänomen: Seit dem 30. Oktober folgt eine Preisverleihung auf die nächste, den Beginn machte der Preis der Académie française. Allein im vergangenen Jahr wurden 984 literarische Auszeichnungen vergeben. Zudem ist die Verleihung wichtiger Preise ein gesellschaftliches Event. Der Prix Goncourt etwa wird jedes Jahr im Restaurant Drouant im Zentrum von Paris vergeben. Warum diese vielen Preise, diese Begeisterung? Frankreich liebe nun einmal diese etwas elitäre Form der kulturellen Anerkennung, glaubt Literaturkritiker Hugo Pradelle. Und so wird wohl auch im nächsten Jahr der Rummel um den Prix Goncourt so groß ausfallen wie in diesem.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016