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Portugal - Der politische Aufstieg des „Gandhi“ von Lissabon

Länder: Portugal

Tags: Antonio Costa, Lissabon

Der Lissabonner Bürgermeister Antonio Costa hat indische Wurzeln und ist neuer Liebling der Arbeiterklasse. Er könnte nächster Premierminister Portugals werden.

Antonio Costa pflegt sein das Image als das eines einfachen, fröhlichen Mannes. Er hat indische Vorfahren und setzt sich für die Schwächsten ein, weshalb er auch „Gandhi von Lissabon“ genannt wird. Der 52-jährige Bürgermeister der portugiesischen Hauptstadt erfreut sich steigender Beliebtheit. Davon zeugt auch sein jüngster Sieg bei den Vorwahlen der portugiesischen Sozialistischen Partei, wo er über 70 % der Stimmen auf sich vereinte. Im Hinblick auf die Parlamentswahlen im Oktober 2015 ist er für die Linke also „der“ Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten. Während der Feierlichkeiten am vergangenen 5. Oktober, an dem die Ausrufung der Republik gefeiert wurde, ließ er keine Zweifel an seinen politischen Ambitionen. „Es ist an der Zeit, eine nationale Strategie für gerechte und nachhaltige Entwicklung zu schaffen“, betonte er zu diesem Anlass, so der Courrier international.

 

Indiens ganzer Stolz

Im fernen Indien verfolgt man Antonio Costas Aufstieg mit Stolz. Die dortigen Medien hat er bereits verzaubert. So zeichnet die indische Zeitung Daily News and Analysis  das Porträt des Mannes, den sie als „Politiker indischer Herkunft“ beschreibt. Erwähnung finden insbesondere seine indischen Wurzeln: Der Großvater wurde in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Goa geboren, der Vater, ein der antikolonialistischen Bewegung nahestehender Schriftsteller, verbrachte dort den Großteil seines Lebens. Antonio Costa mit dem Spitznamen „Babush“ (in der indischen Sprache Konkani umgangssprachlich für „Junge“), gilt bei seinen Anhängern als unkompliziert und bescheiden, erklärt The Economic Times.

 

Ein Mann mit Erfahrung

Antonio Costa darf sich über eine beeindruckende politische Laufbahn freuen, wie hier im Online-Medium Hindustantimes beschrieben. 1991 wurde der Anwalt Mitglied im Parlament, kurze Zeit später trat er das Amt des Staatssekretärs im Ministerium für Parlamentsangelegenheiten an. Er leitete erst das portugiesische Justiz- und später das Innenministerium, bevor er Bürgermeister von Lissabon wurde – inzwischen schon in seiner dritten Amtszeit. Vor einigen Jahren hätte man meinen können, er habe seine Dienststelle in den verrufenen, für Drogenhandel und Prostitution bekannten Stadtteil Mouraria verlegt, der sich heute wieder im Aufschwung befindet. Antonio Costa wird von der Sozialistischen Partei ebenso wie von der Arbeiterklasse des Landes unterstützt. Man wird sicher noch mehr von ihm hören. 

 

Céline Peschard

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016