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Polen – Kahlschlag im Urwald

Länder: Polen

Tags: Urwald, Naturkatastrophe

Die polnischen Behörden haben angeordnet, mit umfangreichen Rodungsarbeiten in den letzten Urwaldgebieten Europas zu beginnen. Umweltschützer protestieren.

In den Augen der polnischen Behörden handelt es sich um „Sicherheitsvorkehrungen“. Umweltschutzverbände sprechen dagegen von sinnloser Umweltzerstörung. Seit dem 24. Mai 2016 haben in dem an der polnisch-weißrussischen Grenze gelegenen Białowieża-Urwald die Holzfäller das Sagen, so das journal de l’Environnement, das auf der Webseite Euractiv zitiert wird. Und das mit dem Segen der polnischen Behörden, die mit dieser Maßnahme angeblich einem fortschreitenden Borkenkäferbefall des Urwaldes entgegenwirken wollen. Zehntausende Hektar des europaweit einmaligen Waldgebietes könnten so schon bald zu Brennholz verarbeitet sein.

Nun haben Anwälte im Auftrag von ClientEarth und sechs NGOs zusätzlich zu den Protestnoten der Europäischen Kommission Klage gegen den polnischen Staat eingereicht. Der polnische Umweltminister musste am 23. Mai zu den Vorgängen ausführlich Rede und Antwort stehen. Er forderte „die ganze Welt“ auf, sich vor Ort über die Hintergründe und Zusammenhänge der aktuellen Baumfällarbeiten zu informieren.

 

900 Wisente

Der Białowieża-Urwald ist ein Waldgebiet, dessen Ursprünge bis ins 8. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen. Einige der ältesten Laub- und Nadelbäume Europas sind dort zu finden. Ein Teil des Gebiets, das insgesamt 141 885 Hektar groß ist, wurde von der UNESCO zum Weltnaturerbe der Menschheit und zum Biosphärenreservat erklärt. Der Urwald beherbergt eine reiche Artenvielfalt, darunter 59 Säugetier-, über 250 Vogel-, 13 Lurch-, 7 Reptilien- und mehr als 12 000 Insektenarten, von denen einige nur dort zu finden sind, wie die UNESCO mitteilt.

Er ist ein beliebtes Touristenziel, da er der natürliche Lebensraum für 900 Wisente ist – einem Viertel des weltweiten Bestands dieser Tierart. Eine weitere Besonderheit, die vermutlich für die aktuellen Baumfällarbeiten mitverantwortlich ist, ist sein Reichtum an Totholz. Aus diesem Grund sind dort auch besonders viele Pilz- und Insektenarten zu finden.

 

 

Zuletzt geändert am 2. Juni 2016