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Poesie, Drogen und ein Protest-Sarg - unsere Momentaufnahmen

Länder: Welt

Tags: Momentaufnahmen, Fotografien

Der Fall Böhmermann, der Krieg in Syrien und der Opiumlieferant Afghanistan... eine Woche voller Staunen, Freude und Momenten, die nachdenklich machen: Das sind unsere Momentaufnahmen.

08.04

Marl, Deutschland

Ein Gespenst geht um in Deutschland: ein Gespenst namens Jan Böhmermann, das seit Anfang April wie vom Erdboden verschluckt ist. Daran schuld ist sein Schmähgedicht auf den türkischen Staatschef Erdogan, das durch das World Wide Web geistert und in Erdogans Kopf sein Unwesen treibt. Mit dem Schmähgedicht wollte Jan Böhmermann dem deutschen Publikum mal zeigen, wie weit Satire gehen darf. Was darauf folgte, ist eine Horrorgeschichte: Erdogan stellte einen Strafantrag, will Jan Böhmermann büßen sehen und die Bundesregierung verkrachte sich. Nun hat Mutti entschieden und will das Gericht entscheiden lassen: Sie gab Erdogans Strafantrag statt. Nun muss Jan Böhmermann also schlottern. Droht eine Haft oder nicht? Die Entscheidung wird wohl noch eine Weile dauern. Inzwischen hat der ZDF-Moderator einen Grimme-Preis eingesackt für seine Stinkefinger-Varoufake-Aktion. Das nahm Schauspielkollege Max Mauff zum Anlass um vor der Preisverleihung einen Vermisstenaufruf zu starten, denn Böhmermann war in Folge des Erdogan-Skandals nicht zur Preisverleihung erschienen.

HENNING KAISER / DPA

Demonstration für Böhmermann

10.04

Aleppo, Syrien

Was aussieht wie eine Filmszene, ist in Wirklichkeit ein Kriegsszenario. Syrische Hilfskräfte greifen einer verletzten Frau unter die Arme, nachdem sie Opfer eines Luftangriffes der Regierungstruppen im von Rebellen gehaltenen Haydarya im Norden Aleppos wurde.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat am Donnerstag mitgeteilt, die Streitkräfte von Staatschef Baschar al-Assad hätten mit Unterstützung russischer Kampfflugzeuge eine Offensive nördlich der Provinzhauptstadt Aleppo gestartet. Hinzu kommt, dass sich dort Regierungstruppen, Rebellen und IS-Kämpfer heftige Gefechte um die Kontrolle einzelner Gebiete lieferten. Deswegen sind laut Human Rights Watch mindestens 30.000 Menschen auf der Flucht. Die erneuten Kämpfe stellen die seit Ende Februar geltende Waffenruhe in Frage, die Regierungstruppen und Rebellen bislang weitgehend eingehalten hatten. Die Feuerpause betrifft allerdings nicht den Kampf gegen Dschihadisten.

Unterdessen fanden am Mittwoch Parlamentswahlen in Syrien statt, allerdings nur in den von der Regierung kontrollierten Gebieten, wo 60 Prozent der Bevölkerung lebt. Kritik für die Wahlen gab es sowohl von der Opposition, als auch von der UNO und der Bundesregierung. 

THAER MOHAMMED / AFP

Bürgerkrieg in Syrien

 

11.04

Idomeni, Griechenland

Mehr zum Thema:

In unserem Dossier "Flucht nach Europa" erfahren Sie alles zu dem Thema Flüchtlingskrise und Migration.

Flüchtlinge und Migranten in der griechischen Grenzstadt Idomeni haben leere Tränengas-Granaten aufgereiht, die mazedonische Soldaten auf sie geworfen hatten, als sie für eine Grenzöffnung demonstrierten. Inzwischen gab es auch eine neue Protestwelle, nachdem Griechenland und Mazedonien sich gegenseitig beschuldigt hatten, für einen Vorfall verantwortlich zu sein, bei dem Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt wurden, um Migranten davon abzuhalten, die Grenze in Richtung Mazedonien zu übertreten. Laut Angaben von Ärzte ohne Grenzen sind bei den Auseinandersetzungen 260 Menschen verletzt worden.

BULENT KILIC / AFP

Mazedonien

 

12.04

Kandahar, Afghanistan

Was wie eine bunte Frühlingswiese aussieht, ist in Wirklichkeit ein wichtiger Wirtschaftszweig Afghanistans. Hinter der Blütenpracht verstecken sich nämlich Mohnblumen – der Opiumlieferant schlechthin. Afghanistan produziert rund 80 Prozent des Rohopiums weltweit. Allein im letzten Jahr wurde dort Mohn für Opium und Heroin auf 1.830 Quadratkilometern angebaut – mehr als die doppelte Fläche von Berlin, wie zum Beispiel im Zari District der Provinz Kandahar. Allerdings ist der Mohnanbau nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Afghanistan 2015 um 19 Prozent zurückgegangen. Laut UN-Schätzungen gelangen jährlich Heroin und Opium im Verkaufswert von 28 Milliarden Dollar (etwa 25 Milliarden Euro) von Afghanistan nach Europa.

JAWED TANVEER / AFP

 

Afghanistan

13.04

Al-Faschir, Sudan 

Ein langer, spannender Wahltag ist vorüber: Diese sudanesischen Wahlhelfer in einem Wahllokal in al-Faschir, der Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Schamal Darfur (Nord-Dafur), erholen sich von getaner Arbeit und erwarten mit Spannung das Wahlergebnis. Im ostafrikanischen Sudan haben die Menschen über eine Zusammenlegung der fünf Darfur-Provinzen abgestimmt. 3,5 Millionen Menschen waren dazu aufgerufen, bis Mittwoch ihre Stimme abzugeben. 

Seit 13 Jahren herrscht in der Region Darfur im Westen des Landes Bürgerkrieg. Millionen Menschen wurden vertrieben, Hunderttausende fielen dem Konflikt zum Opfer. Die Regierung von Präsident Omar Hassan al-Baschir hatte sich für die Beibehaltung der fünf Provinzen - Nord-, Ost-, Süd-, West- und Zentral-Darfur - ausgesprochen. Beobachter erwarten, dass die vorgeschlagene Zusammenlegung abgelehnt wird. Das Ergebnis soll nach Angaben der Wahlkommission binnen zehn Tagen bekannt gegeben werden.

ASHRAF SHAZLY / AFP

Sudan

14.04

Brasília, Brasilien

Dieser Sarg ist nicht etwa Teil einer Mottoparty oder Deko für den Karneval in Rio – nein, er ist ein Symbol für die Regierungskrise in Brasilien. Am 14. April haben sich zahlreiche Aktivisten vor dem Obersten Gerichtshof Brasiliens versammelt um für die Amtsenthebung der aktuellen Präsidentin Dilma Rousseff zu demonstrieren – deren Politik sie wohl am Liebsten zu Grabe tragen würden. Denn Rousseff wird vorgeworfen, vor ihrer Wiederwahl Ende 2014 die Höhe des Haushaltsdefizits verschleiert zu haben.

Im Hintergrund der Krise steht ein großer Korruptionsskandal um den Ölkonzern Petrobras, dessen Aufsichtsratsvorsitzende Rousseff von 2003 bis 2010 war. Nun hat Brasiliens Oberster Gerichtshof grünes Licht gegeben für eine womöglich vorentscheidende Abstimmung über eine Amtsenthebung der Präsidentin. Die Mehrheit der Richter wies den Antrag zurück, dass Rousseff nicht ausreichend Gelegenheit für ihre Verteidigung bekommen habe. Per Eilantrag hatte die Regierung versucht, das Verfahren vorerst zu stoppen.

Das Abgeordnetenhaus soll bereits am Sonntag abstimmen: Stimmen zwei Drittel der Mitglieder des Abgeordnetenhauses für eine Fortsetzung des Verfahrens, und anschließend auch noch der Senat mit einfacher Mehrheit, wäre Rousseff für 180 Tage suspendiert und könnte zum Beispiel auch nicht am 5. August die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro eröffnen. In der Zeit der Suspendierung würden die Vorwürfe gegen sie intensiv juristisch geprüft, es geht unter anderem um angebliche Tricksereien beim Staatshaushalt. In der Zeit würde sie Vizepräsident.

BETO BARATA / AFP

Brasilien

14.04

Lagos, Nigeria

"Wir können nicht länger warten" und "500 Tage sind genug" steht auf den Plakaten dieser nigerianischen Frauen, die noch immer auf ihre Töchter warten. Vor genau zwei Jahren, am Abend des 14. April 2014, hatten Boko-Haram-Kämpfer insgesamt 276 Mädchen aus einer staatlichen Schule im nordöstlich gelegenen Chibok verschleppt. 57 Mädchen gelang später die Flucht, die anderen werden bis heute vermisst. Eine Zerreißprobe für die Familien, die nicht wissen, ob ihre Kinder noch am Leben sind.

Mehr zum Thema:

In unserem Dossier warten Reportagen und Artikel zu den entführten Mädchen und der "Bring Back our Girls" Kampagne auf Sie.

Nun ist möglicherweise ein neues Lebenszeichen einiger Mädchen aufgetaucht. Die nigerianische Regierung gab inzwischen bekannt, ihr liege ein Video vor, in dem 15 der mehr als 200 Schulmädchen zu sehen seien. Bei ihnen soll es sich um Opfer der Entführung handeln. Einige Angehörige erkannten die Schülerinnen auf den Bildern. Die Mädchen nennen in dem Video ihre Namen und sagen, sie seien 2014 verschleppt worden. Sie beteuern, es gehe ihnen gut. Als Datum der Aufnahme nennen sie den 25. Dezember 2015.

PIUS UTOMI EKPEI / AFP

Nigeria

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016