|

Philippinen: Duterte gegen Gott und alle weiteren Hurensöhne

Länder: Philippinen

Tags: Duterte

Bei seiner Rede zur Lage der Nation am 23. Juli hat der philippinische Präsident Rodrigo Duterte erneut bekräftigt, seinen gnadenlosen Krieg gegen Drogenhändler fortführen zu wollen. Sein Ziel ist es, "alle diese Hurensöhne abzuknallen". ARTE Info zieht Bilanz: Wie hat Duterte sein Land bisher verändert? 

Philippines : Duterte contre Dieu et le reste du monde
Philippinen: Duterte gegen Gott und die Welt ARTE Info zieht Bilanz: Wie hat der umstrittene philippinische Präsident sein Land bisher verändert?  Philippinen: Duterte gegen Gott und die Welt

 

"Adam beißt in den Apfel und das Böse wird geboren. Was soll das für ein bescheuerter Gott sein? Wenn es wirklich so geschehen ist, dann ist er ein Hurensohn", erklärte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte am 25. Juni im Fernsehen. In einem Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich katholisch ist, kam diese neue beleidigende Rede des Präsidenten schlecht an. Die Umfragewerte Durtertes gingen steil nach unten.

Vor einem Jahr hatten seine Beliebtheitswerte noch Rekordhöhen erklommen, heute bringt er es nur noch auf 45% positiver Meinungen. Dabei war Rodrigo Duterte bis dahin bei den Filippinos sehr beliebt, nicht zuletzt wegen seines Kampfs gegen Drogen. Der eifrige Präsident hatte während seines Wahlkampfs versprochen, dass er dieses Problem in Angriff nehmen würde. Die Bilanz: Nach zwei Jahren Amtszeit wurden laut Polizei 4.200 mutmaßliche Drogenabhängige und -händler getötet. Menschenrechtsorganisationen zufolge gab es jedoch dreimal so viele Opfer. Diese Organisationen prangern ebenfalls außergerichtliche Hinrichtungen durch die Polizei oder durch Auftragskiller an.

Rodrigo Duterte hat nicht die Absicht, haltzumachen: "Mein Kampf gegen Drogen wird erst aufhören, wenn der letzte Dealer und der letzte Drogenboss um die Ecke gebracht worden sind". In einem Land, das von Kriminalität geplagt wird, galt Rodrigo Duterte erst als wahrer Messias. Bis zu dem Augenblick, wo er Gott attackierte. Aber weshalb musste er plötzlich derart provozieren? Die katholische Kirche hatte es gewagt, seinen Kreuzzug gegen die Drogen zu kritisieren.

 

Obama, Papst Franziskus, die UNO… ebenfalls von Duterte beschimpft

Rodrigo Duterte mag es nicht, kritisiert oder gestört zu werden. Das ist allgemein bekannt. Bereits 2016 nannte er Papst Franziskus einen "Hurensohn", und zwar lediglich weil der Besuch des obersten Hirten zu Staus in Manila geführt hatte. Einige Monate später vergriff er sich vor einem Gipfeltreffen in Laos an Barack Obama und warf ihm die gleiche Beleidigung an den Kopf. Der philippinische Präsident hatte befürchtet, dass sein amerikanischer Kollege die Menschenrechtsituation in seinem Land kritisiert.

Dann wurden UNO-Berichterstatterinnen beleidigt, die Kritik an den vom Präsidenten befürworteten außergerichtlichen Tötungen geäußert hatten. Auf diese unsanften und undiplomatischen Äußerungen erwiderte der Menschenrechtsoberkommissar der UNO, dass Rodrigo Duterte wohl "eine psychiatrische Untersuchung" benötige.

Schließlich hat der unberührbare philippinische Staatschef im vergangenen März den Rückzug der Philippinen aus dem Internationalen Strafgerichtshof angekündigt, nachdem dieser Ermittlungen gegen seinen Anti-Drogen-Krieg eingeleitet hatte. Auch innerhalb seines eigenen Landes werden Dutertes politische Gegner aus dem Weg geräumt. Im Februar 2017 kam die Senatorin Leila Magistrado de Lima ins Gefängnis, weil auch sie Ermittlungen gegen seinen Anti-Drogen-Krieg eingeleitet hatte.

 

Ein Präsident mit zwei Gesichtern

Rodrigo Duterte steht auch in gesellschaftlichen Fragen mit der Kirche im Konflikt: Er ist für Abtreibung und für die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Rodrigo Duterte – ein fortschrittlicher Mann? Als er noch Bürgermeister von Davao war, hatte er sich dafür eingesetzt, dass Frauen politische Verantwortungen übernehmen können, und mehrere Verordnungen erlassen, um ihren Zugang zum Arbeitsmarkt zu fördern.

Duterte wurde in der Hoffnung gewählt, dass er einem Land, das seit fünfzig Jahren von Guerillas heimgesucht wird, wieder Frieden und endlich wirtschaftliche Entfaltung bringen würde. Doch bisher tut er sich mit der Verwirklichung seiner Versprechen schwer. Die South China Morning Post meint, dass es seiner Regierung entschieden an Antworten auf die wirtschaftlichen und sozialen Fragen der Filipinos mangelt. Der Zeitung zufolge ist beispielsweise die Inflation innerhalb eines Jahres um 5,2% gestiegen, auf den höchsten Stand seit fünf Jahren.

Zuletzt geändert am 24. Juli 2018