Pharao im heutigen Ägypten

Länder: Ägypten

Tags: Pharao, Husni Mubarak, Gamal Abdel Nasser

Die spannende Chronik schildert in drei Teilen 60 Jahre politischer Entwicklung Ägyptens, von 1950 bis in die jüngste Zeit, unter jeweils verschiedenen Machthabern. Welche Rolle spielte die Konfrontation zwischen dem Militär und den Islamisten? 

Am 25. Januar 1952 gleicht das Zentrum von Kairo einem Schlachtfeld. Die Menge fordert den Rückzug der britischen Kolonialtruppen aus ihrem Land und verlangt "Freiheit, Brot und soziale Gerechtigkeit". Am 23. Juli wird die Monarchie gestürzt. Im Februar 2011 skandiert das ägyptische Volk dieselben Parolen. Nur richtet sich sein Zorn diesmal gegen Husni Mubarak, der das Land drei Jahrzehnte lang mit harter Hand regierte. Nachdem die Ägypter im Zuge der Aufstände in der arabischen Welt in Massenprotesten auf die Straße gegangen waren, zwang die Armeeführung Mubarak am 11. Februar 2011 zum Rücktritt.

 

Ein Machtregime folgt dem anderen

Nach dem Sturz der Monarchie am 23. Juli 1952 durch einen Militärputsch unter Mohammed Nagib und Gamal Abdel Nasser wurde 1953 die Republik ausgerufen. Sechs Jahrzehnte lang folgte an der Spitze des Landes ein moderner Pharao auf den anderen. Von Gamal Abdel Nasser über Anwar el-Sadat bis hin zu Husni Mubarak war ein Ziel allen gemein: Ägyptens endgültige Ablösung von den ehemaligen Kolonialmächten und seine Verwandlung in einen modernen, laizistischen Musterstaat für den ganzen Kontinent. Der Dokumentarfilm "Pharao im heutigen Ägypten" beleuchtet die Geschichte der aufeinanderfolgenden Machtregime ab den 50er Jahren und erklärt, warum ihre Weichenstellungen für eine gefestigte Unabhängigkeit in der Revolution 2011 auf dem Tahrir-Platz mündeten.

 

Gamal Abdel Nasser

Dienstag, 09. August

23.45

PHARAO IM HEUTIGEN ÄGYPTEN

 

Nach dem Militärputsch bestimmt Gamal Abdel Nasser ab 1954 als Präsident die Politik Ägyptens. Irgendwo zwischen Demokratie und Militärdiktatur versucht er einen maßgeschneiderten Sozialismus durchzusetzen, um die enormen Klassenunterschiede zu beseitigen. Aber der Zweck heiligt die Mittel: Die Regierung geht hart gegen Regimegegner vor, macht die Opposition mundtot und unterdrückt die Zivilgesellschaft dabei noch mehr. Nach Nassers unerwartetem Tod wirkt sein Sozialismus überholt. Sein Nachfolger wird Anwar el-Sadat.

 

Anwar el-Sadat

Als Nasser 1970 starb und das fragwürdige Erbe eines pan-arabischen Sozialismus autoritärer Prägung hinterließ, trat Anwar el-Sadat, bis dahin Vizepräsident, die Nachfolge an und schlug einen völlig anderen Kurs ein. Das strikte Einparteiensystem schaffte er ab, die Presse wurde freier, die Allmacht des Unterdrückungsapparats zurückgedrängt, der rigide Laizismus zurückgenommen, die Wirtschaft liberalisiert. Nach den Jahrzehnten der "revolutionären Diktatur" atmeten die Menschen zunächst die freiere Luft eines offeneren Systems. 

Dienstag, 09. August

23.45

PHARAO IM HEUTIGEN ÄGYPTEN

 

Aber anders als sein Vorgänger Gamal Abdel Nasser suchte Sadat die Unterstützung der Muslimbruderschaft, einer der einflussreichsten islamisch-fundamentalistischen Bewegungen in Ägypten. Zugleich bildeten sich in den 70er Jahren radikale islamistische Gruppierungen heraus. Darunter die späteren Attentäter Sadats: der ägyptische Ableger der Muslimbruderschaft "Jihad Islami" ("Islamischer Dschihad") sowie die "Al-Gama'a al-Islamiyya" ("Islamische Gemeinschaft"). Er bezahlt seine Entscheidung am 6. Oktober 1981 mit seinem Leben. Auch die restliche Welt bleibt von den Folgen nicht verschont.

 

Husni Mubarak

Mittwoch, 10. August

1.40

PHARAO IM HEUTIGEN ÄGYPTEN

 

Nach dem tödlichen Kugelhagel radikaler Islamisten auf Anwar el-Sadat wird sein damaliger Stellvertreter Husni Mubarak zum Staatsoberhaupt Ägyptens und bleibt die kommenden 30 Jahre an der Macht. Innenpolitisch verfolgt Mubarak einen harten Kurs und präsentiert sich nach außen als "Bollwerk gegen die Islamisten". Als Mittel für seinen autoritären Regierungsstil führte Mubarak kurz nach seinem Amtsantritt die aus der Zeit Sadats stammenden Notstandsgesetze wieder ein.Ein Großteil des ägyptischen Volkes ist verarmt und muss ohnmächtig dabei zusehen, wie soziale Konflikte immer schärfer zutage treten - ein günstiges Klima für die Verbreitung islamistischer Strömungen. Armee und Muslimbruderschaft sind seit der Unabhängigkeit Ägyptens die beiden einzigen politischen Mächte im Land. Der Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar 2011 eröffnete den Muslimbrüdern, die heute in Ägypten offiziell als Terrororganisation eingestuft sind, neue Möglichkeiten. Im Juni 2012 gewann ihr Kandidat Mohammed Mursi die Präsidentenwahl, ehe er ein Jahr später nach Massenprotesten vom Militär gestürzt wurde.

 
Zuletzt geändert am 9. August 2016