Paraguay: Musik aus Müll

Länder: Paraguay

Tags: orchester, Musikinstrumente, Abfälle, Armenviertel

"Die Welt schickt uns ihren Müll und wir schicken ihn als Musik zurück", lautet das Motto des Orchesters aus Cateura, einem Armenviertel in Paraguays Hauptstadt: Sie spielen Klassik und Rock auf Instrumenten aus Abfall…   

Das Orchester von Cateura interpretiert "Nothing else matters" von Metallica

25 000 Menschen leben in Cateura, wenige Meter von der größten Müllkippe von Asuncion: Elend, Arbeitslosigkeit, Kriminalität - kaum Auswege aus diesem Schicksal für die Kinder. Bis Favio Chavez vor neun Jahren auf die Idee kam, ein junges Orchester zu gründen. Geld für neue oder gar gebrauchte Instrumente hatte er nicht. Also ließ er welche aus Abfällen von der Müllkippe bauen: ein Saxophon aus einem Stück Regenrinne mit Geldstücken als Klappen; eine Violine aus einem Farbtopf, einer Gabel und Paletten-Holz; ein Kontrabass aus einem Ölfass und eine Gitarre aus einer großen Konservenbüchse. Sie klingen tatsächlich nach Musik, diese Recycling-Instrumente, immerhin so gut, dass weder Mozart noch Metallica sich mit Grausen wenden müssten.

Inzwischen haben die 40 Musiker die ganze Welt bereist und Konzerte gegeben. Die Tourneen finanzieren die sozialen Projekte: Musikunterricht für den Orchester-Nachwuchs aus dem Slum, immerhin 150 Kinder. Die Begabtesten schicken sie dann an die Universität, mancher Familie finanzierte die Musik ein neues Heim, ein wenig weiter entfernt von der Müllkippe. Das wichtigste aber ist, die unverhoffte Motivation von Kindern und Eltern durch die Musik – der Wunsch, sich mit Willenskraft und Disziplin raus zu spielen aus dem Elend. 

Paraguay : l’orchestre des instruments recyclés

Von Nathalie Georges, Eric Bergeron, Thomas Lecourt und Pascal Bach – ARTE GEIE – Frankreich 2015

 

Unser Gespräch mit der Reporterin
Nathalie Georges à propos de son reportage au Paraguay

 

Ein Porträt der achtjährigen Celeste, Mitglied des Orchesters, im ARTE Journal Junior
Portrait d'enfant : Celeste au Paraguay

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016