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"Panama Papers" - größtes Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus?

Länder: Deutschland

Tags: Korruption, Briefkastenfirmen

Ein riesiges Datenleck bei einer Anwaltskanzlei in Panama bringt Politiker und prominente Persönlichkeiten in Erklärungsnot. Journalisten aus fast 80 Ländern haben ihre Recherchen über Finanzgeschäfte mit Briefkastenfirmen auf Panama veröffentlicht. Politiker fordern eine "harte Reaktion" Europas.

"Panama Papers" : le business de l'évasion fiscale

 

Ein enormes Datenleck hat die Tätigkeiten von 215.000 Briefkastenfirmen offengelegt, berichten Journalisten aus fast 80 Staaten. Mit der Veröffentlichung umfangreicher Daten über Inhaber von Briefkastenfirmen geraten mehrere amtierende Staats- und Regierungschefs unter Druck. Unter den Betroffenen seien der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, sein argentinischer Kollege Mauricio Macri, der Regierungschef von Island Gunnlaugson sowie König Salman von Saudi-Arabien, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Auch international sanktionierte Geschäftsleute wie ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad haben den Unterlagen zufolge Offshore-Firmen genutzt. Neben den Namen von Politikern und ihrem Umfeld tauchen in der Liste auch Milliardäre, Sportler, Schauspieler, Waffenhändler, Spione und Betrüger auf. 

 

"Das größte Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus"

Die Recherchen der "Panama Papers" basieren auf einem Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Die verantwortliche Finanzkanzlei Mossack Fonseca mit Sitz in Panama-Stadt nannte die Veröffentlichung ihrer Kunden-Daten illegal. Die Regierung in Panama hat ihre Kooperation bei der Aufklärung zugesagt. Der Enthüller des NSA-Skandals, Edward Snowden, schrieb auf Twitter: "Das größte Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus ist gerade veröffentlicht worden, und es geht um Korruption."

 

 

Der isländische Premier Sigmundur David Gunnlaugson, dessen Name ebenfalls in den Enthüllungen auftaucht, sieht sich bereits mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Ein Interview mit dem schwedischen Fernsehen bricht er vor laufender Kamera ab.

 

 

Wer deckte auf?

Die Informationen über die Offshore-Geschäfte wurden der "Süddeutschen Zeitung" von einer anonymen Quelle zugespielt. Der Zeitung zufolge handelt es sich um 2,6 Terabyte an Daten, das sind 11,5 Millionen Dokumente zu insgesamt 214.000 Briefkastenfirmen. Es sei das größte Datenleck, das es bislang gab. Die Daten umfassen einen Zeitraum von 40 Jahren. Die Auswertung der "Panama Papers" genannten Dokumente wurde zusammen mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) in Washington organisiert. An ihr wirkten etwa 400 Journalisten aus fast 80 Ländern mit. In Deutschland waren an der Recherche auch NDR und WDR beteiligt. 

 

 

Reaktion auf die "Panama Papers"

Im Interview mit ARTE Info geht das Mitglied des Europaparlaments Sven Giegold, Fraktion der Grünen / Freie Europäische Allianz, auf die neue Qualität dieser Veröffentlichung ein, die sich am politischen Einfluss der genannten Staatsmänner und Amtsträger bemisst. Auf europäischer Ebene taucht unter anderem die Frau des spanischen EU-Kommissars für Klimaschutz Miguel Arias Cañete in den "Panama Papers" auf. 

Der Guardian berichtet außerdem, der verstorbene Vater des britischen Premierministers, Ian Cameron werde als Betreiber einer Offshore-Firma in den Dokumenten genannt. Nach Giegolds Einschätzung entsteht dadurch für die Bürger der Eindruck, Rechtsstaatlichkeit gelte nur für die kleinen Leute und Unternehmen. Dementsprechend drängt Giegold auf eine "harte Reaktion" Europas. Er fordert den Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker aus Luxemburg auf, einen Aktionsplan gegen Geldwäsche und Briefkastenfirmen vorzulegen. In der Liste in der 500 Banken, die für Kunden die Einrichtung von Offshore-Firmen anforderten, sind drei Luxemburger Banken in den Top 10 zu finden:

 

 

Um nachhaltiger gegen Steuerflucht vorzugehen, sieht Giegold drei Optionen:

1. Eine Strafabgabe für Banken, die mit intransparenten Briefkastenfirmen Geschäfte machen, wie sie bereits in den USA existiert.

2. Völlige Transparenz innerhalb Europas über öffentlich zugängliche Firmenregister.

3. Eine europäische Staatsanwaltschaft um grenzüberschreitende Kriminalität besser aufzuklären und zu bekämpfen. Bisher verläuft die Strafverfolgung über nationale Behörden, was die Aufklärung oftmals erschwere.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016