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Offener Brief an Donald Trump

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: Donald Trump, Flüchtlinge, Einreisestopp, Muslime, Islam

Am 27. Januar hat der amerikanische Präsident Donald Trump ein Dekret zum Schutz der USA vor ausländischen Terroristen unterzeichnet. Er verhängte für 90 Tage einen Einreisestopp für sieben muslimische Länder: Jemen, Iran, Libyen, Somalia, Sudan, Syrien und Irak. Ebenfalls stoppter er 90 Tage lang die Einreise von Flüchtlingen, die aus diesen Ländern kommen. Sandra Alloush und Tariq Haddad sind selbst syrische Flüchtlinge, flohen aus Damaskus und kamen 2015 in Frankreich an. Damit vereinen sie aus Donald Trumps Sicht gleich zwei Makel: sie sind Flüchtlinge UND Syrer. Deshalb haben die beiden einen offenen Brief an den US-Präsidenten gerichtet, den wir hier veröffentlichen.

 

 

Sandra und Terry berichten für ARTE in einem Videoblog von ihren Erlebnissen als Flüchtlingen - von der schweren Ankuft in Frankreich bis zu ihrer ersten Auszeichnung für ihr Videoprojekt:

 

 

 

 

Mr President Trump, 

angesichts Ihres Dekrets fühlen wir - ein Ehepaar und syrische Christen, die seit 2015 als Flüchtlinge in Frankreich leben - uns gezwungen, Ihnen diesen Brief zu schreiben.

 

Kein einziges der Länder, die Ihr Bann trifft, war in irgendeiner Weise an irgendeinem Terroranschlag in den USA beteiligt.

 

Uns ist klar, dass Ihr Land einer steigenden Terrorgefahr gegenüber steht. Doch das Dekret, das Sie erlassen haben, wird diese Bedrohung nur noch vergrößern! Kein einziger Bürger aus einem der sieben Länder, die Sie ins Visier nehmen, war an einem Terrorakt gegen Ihr Land beteiligt, weder am Anschlag auf das World Trade Center noch danach. Ihre Maßnahme macht die Bedrohung Ihres Landes also um keinen Deut kleiner.

 

Im Gegenteil: Sie stärkt die Glaubwürdigkeit des IS, wenn er behauptet, Sie führten einen Krieg gegen den Islam. Und wenn er dazu auffordert, die Christen im Irak und in Syrien zu töten, weil sie keine Araber und Ungläubige seien. Ihre Entscheidung wird dem IS massiven Zulauf verschaffen, auch aus Ihrem eigenen Land. Und sie wird die Bedrohung der Christen und anderer Minderheiten durch radikalislamische Terrorgruppen weiter verschärfen. Wir wollen nicht in einer Welt leben, in der die Christen des Nahen Ostens, die dort leben, seit Jesus selbst unter ihnen gewandelt ist, ausgerottet oder wie in den 1860er-Jahren übers Meer deportiert werden!

 

Kein einziges der Länder, die Ihr Bann trifft, war in irgendeiner Weise an irgendeinem Terroranschlag in den USA beteiligt. Verwunderlich erscheint uns dagegen, dass Sie Saudi-Arabien nicht als Bedrohung betrachten. Der saudi-arabische Wahhabismus ist das Herz des radikalislamischen Denkens und die tragende Säule von Organisationen wie al-Kaida oder IS. Saudi-Arabien, wo Frauen völlig rechtlos sind und es weder Freiheit noch Menschenrechte gibt, ist das Land, von dem alle Fatwas und Aufforderungen zum Dschihad gegen uns und Sie ausgegangen sind. Das Land, in dem Osama Bin Laden geboren und erzogen wurde und aus dem - neben Afghanistan, das in Ihrer Liste übrigens nicht auftaucht – die meisten der 9/11-Terroristen stammen.

Wir sind Botschafter des Friedens und wir werden der Gewalt und dem Rassismus mit Liebe entgegen treten.

 

 

In aller Ehrlichkeit: Wir können Ihnen natürlich nur schwer vorwerfen, dass Sie den Flüchtlingen die Türen Ihres Landes einfach zuschlagen. Sie handeln damit ja nicht anders als die arabischen Führer, einschließlich des Königs von Saudi-Arabien, die auch ihre Grenzen geschlossen und unsere Landsleute ihrem traurigen Los im Mittelmeer überlassen haben. Aber: Ist das wirklich die Liga, in der Sie spielen wollen?

 

Blicken Sie nur einen Augenblick nach Europa! Auf die europäischen Länder, die sich für die Menschlichkeit eingesetzt und tausende Flüchtlinge aufgenommen haben. Blicken Sie auf die Flüchtlinge, die es geschafft haben, neue Sprachen zu lernen: Deutsch, Niederländisch, Französisch, Schwedisch, Finnisch oder Polnisch. Auf das, was sie innerhalb kürzester Zeit geleistet haben, in Musik, Film, Sport oder Wissenschaft, zum Nutzen der Gesellschaften, die sie aufgenommen haben. Einfach deshalb, weil sie dort leben, sich willkommen und sicher fühlen dürfen und den Menschen und Ländern, die ihnen in der Not beigestanden haben, dankbar sind.

 

Ja, wir sind voller Leben, voller Talente und Energie. Und wir werden sie in den Dienst unserer Aufnahmeländer stellen. Wir sind Botschafter des Friedens und wir werden der Gewalt und dem Rassismus mit Liebe entgegen treten, mit Liebe zu jedem Amerikaner, der gegen den Rassismus protestiert hat, zu jedem Menschen auf der Welt, der nicht vergessen hat, dass wir auch einfach nur Menschen sind, Menschen, die in einer wahnsinnigen Welt nach ein bisschen Frieden suchen. 

 

Wir wünschen Ihnen, dass Sie nie selbst den Schmerz erfahren müssen, den Sie vielen Familien zugefügt haben. Dass Sie nie selbst in der Angst leben müssen, aus Ihrem Heimatland vertrieben zu werden. Dass Sie nie selbst Ihr Kind vermissen und fern von all jenen leben müssen, die Sie lieben, nur weil jemand denkt, dass Sie wegen Ihrer Herkunft und Ihrer Religion nicht wertvoll genug sind, um wie andere Menschen behandelt zu werden.

 

Danke, Mr President, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Land der Freien und Heim der Tapferen!

 

Sandra Alloush und Tariq Haddad, International ausgezeichnete Journalistin und Freier Filmemacher

Zuletzt geändert am 1. Februar 2017