|

Obama umwirbt den Schwarzen Kontinent

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: Obama

Es ist ein Gipfel der Superlative. Selbst für die erfahrenen Organisatoren in Washington stellt das größte Treffen aller Zeiten eine enorme logistische Herausforderung dar. Der hohe Einsatz der US-Regierung aber – so könnte man vermuten – lässt vielleicht auch ein wenig an das schlechte Gewissen des Präsidenten denken. Denn erst jetzt, zwei Jahre vor dem Ende seiner Amtszeit, wendet sich Barack Obama endlich den Afrikanern zu.

Nirgendwo sonst auf der Welt war die Enttäuschung über ihn so groß wie auf dem Schwarzen Kontinent. Was aber auch an übertriebenen Erwartungen lag, wie der Kameruner Politikwissenschaftler Christopher Fomunyoh im Interview mit der französischen Tageszeitung Le Figaro erklärt. Als 2008 mit Barack Obama der erste schwarze Präsident ins Weiße Haus einzog, da dachten viele zwischen Kairo und Kapstadt, er sei ein Afrikaner, so der in Washington tätige Wissenschaftler. Und erst viel später begriffen sie, dass er in Wahrheit natürlich Amerikaner ist.

 

Afrika in der Warteschlange

Ein Gipfel der Wiedergutmachung.

Politikwissenschaftler Christopher Fomunyoh

Obama, dessen Vater aus Kenia stammt, hatte zu Beginn seiner Präsidentschaft tatsächlich nur wenig Zeit, sich um Afrika zu kümmern. Im Irak und in Afghanistan galt es zwei Kriege abzuwickeln, innenpolitisch wollte er sein wichtigstes politisches Projekt, die Gesundheitsreform durchsetzen. Später gesellten sich die Immobilien-, Schulden- und Finanzkrisen zu den Baustellen hinzu, gefolgt von der immensen Staatsverschuldung der USA, die das Land wegen des irrationalen Widerstandes der Republikaner fast in die Staatspleite getrieben hatte.

Afrika kann der Handelsplatz der Zukunft sein.

US-Außenminister John Kerry

Und nun also der Gipfel, ein "Gipfel der Wiedergutmachung", wie es Christopher Fomunyoh sieht. Möglicherweise aber auch eine späte Initiative des Präsidenten, mit der er auf sein politisches Erbe schielt, wie die Washington Post vermutet. Und so geizt Barack Obama nicht mit Gaben für die Afrikaner, die jedoch auch der amerikanischen Wirtschaft nicht schaden sollen.

 

Gleichziehen mit China und EU

14

Milliarden Dollar wollen US-Unternehmen in Afrika investieren.  

 

"Afrika kann der Handelsplatz der Zukunft sein", so hatte es US-Außenminister John Kerry zum Auftakt des Supergipfels formuliert. Tatsächlich verzeichnet die Wirtschaft des Kontinents seit Jahren ein kräftiges Wachstum; der Internationale Währungsfond prognostiziert für das Afrika südlich der Sahara in diesem Jahr einen Anstieg um 5,4 Prozent. US-Unternehmen wollen deswegen mehr als 14 Milliarden Dollar in Afrika investieren. Das Geld soll in die Bereiche Banken, Bauwesen und Informationstechnologie fließen.

Grundlage dafür ist die Handelsvereinbarung AGOA (African Growth Opportunity Act) zwischen den USA und den afrikanischen Staaten. Das Gesetz aus der Zeit von Präsident Bill Clinton gilt noch bis Ende September kommenden Jahres, und Obama bemüht sich darum, es durch den Kongress erneuern zu lassen. Denn die USA sind in den vergangenen Jahren im Handel mit Afrika deutlich zurückgefallen.

Betrug das amerikanische Handelvolumen 2013 gerade mal 60 Milliarden Dollar, so fiel das der Europäischen Union mit rund 200 Milliarden deutlich höher aus. Die erstaunlichste Entwicklung aber verzeichnet der Handel Chinas mit Afrika. Von nur 10 Milliarden Dollar im Jahr 2000, so die Zahlen der amerikanischen Brookings Institution, ist das Volumen inzwischen auf 170 Milliarden angewachsen. Da wollen die USA auch hin, um die Dominanz der Chinesen zu stoppen.

 

Afrikas alte Krankheiten bekämpfen

In Washington sind in diesen Tagen nicht alle afrikanischen Staats- und Regierungschefs vertreten. Zum einen weil die Oberhäupter dreier Staaten von Anfang an nicht an den Potomac River eingeladen waren: Der Ewig-Diktator Robert Mugabe aus Simbabwe, der Eritreer Isseiyas Afewerki, Präsident einer Armee, die sich ein ganzes Land samt Bevölkerung als Hochsicherheitsgefängnis hält, und Sudans Präsident Omar al-Baschir, der wegen Kriegsverbrechen mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Ebenfalls nicht vertreten ist die bürgerkriegsgeplagte Zentralafrikanische RepublikFreiwillig abgesagt hatten dagegen die Staatsoberhäupter Liberias und Sierra Leones; Hintergrund ist der Ausbruch der verheerenden Ebola-Epidemie in ihren Ländern.

Die Gesichter der Unterdrückung in Afrika

Der US-Afrika-Gipfel empfängt 51 afrikanische Staatsmänner. Acht von ihnen stehen an der Spitze von repressiven Staaten. ARTE Info zeichnet ihr Porträt.

Und damit sind ein paar der alten Gebrechen genannt, die den Schwarzen Kontinent seit vielen Jahrzehnten kennzeichnen. Eine katastrophale Menschenrechtslage in zahlreichen Ländern, Korruption, Vetternwirtschaft und Kleptokratie, Naturkatastrophen. In jüngster Zeit kommt nun auch noch der brutale Terror islamistischer Milizen in Ländern wie etwa Nigeria, Mali oder Somalia hinzu.

Kritiker werfen der US-Regierung deswegen vor, auf dem Washingtoner Gipfel Wirtschaftsinteressen vor Menschenrechtsfragen zu stellen. US-Aussenminister John Kerry erklärte demgegenüber: "Eine starke Zivilgesellschaft, Respekt für die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte – das sind nicht nur amerikanische Werte, das sind universelle Werte." Die USA werden sich daher unter anderem für die Pressefreiheit oder auch für die Rechte von Homosexuellen in Afrika einsetzen, versprach Kerry.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016