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Not welcome - Flüchtlinge machen einen Bogen um reiche Golfstaaten

Länder: Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien, Syrien, Vereinigte Arabische Emirate

Tags: Flüchtlinge, Golfstaaten

Für Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea oder Afghanistan müssten sie ja eigentlich ein lohnendes Ziel darstellen: die reichen Golfstaaten wie Katar, Oman oder Saudi-Arabien. Doch um diese machen die Flüchtlinge einen großen Bogen. Warum? 

 

Gute Jobs, gute Bezahlung, schnell reich werden. Wer will das nicht? Da läge es ja für Flüchtlinge - gerade aus dem arabischen Raum - nahe, sich in einem der reichen Golfstaaten niederzulassen. Doch die wollen die armen Flüchtlinge aus Syrien gar nicht haben. Zu viele Probleme befürchten die Scheichs und autokratischen Herrscher in diesen Ländern, wenn die Migranten ins Land kommen. Zu groß sind die Ängste und Vorbehalte. Europa soll sich lieber mit ihnen rumschlagen, wie diese Karikatur zeigt, die auf Twitter Furore machte. 

 

 

Von muslimischer Bruderhilfe keine Spur

Die Hürden für eine Einwanderung haben die Golfstaaten demnach extra hoch gelegt: gesalzene Preise für ein Visum und andere Einwanderungsgebühren. Es sei denn, der Flüchtling ist selber reich, bringt möglicherweise Geld für Investitionen mit. Dann ist er willkommen. 

 

"Kursbuch"

Prof. Nassehi ist Mitherausgeber der vierteljährlich erscheinenden Kulturzeitschrift "Kursbuch", die sich mit gesellschaftspolitischen Themen beschäftigt. Aktuell geht es in 183. Ausgabe mit dem Titel "Wohin flüchten?" um das Thema Flüchtlinge. Die Zeitschrift erscheint am 4. September.

Denn die Golfstaaten seien sehr stark durch Investitionen gesteuert, so Armin Nassehi, Soziologie-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sie hätten eine boomende Wirtschaft. Deshalb sei es klar, dass sie die reichen Flüchtlinge gerne nehmen, andere aber nicht. Ärzte, Ingenieure und andere Fachkräfte seien herzlich willkommen. "Potentielle Arbeitgeber sorgen dann dafür, dass die Visa- und Einreisegebühren, die zum Teil immens hoch sind, bezahlt werden." Der das sagt, muss es wissen, möchte aber ungenannt bleiben, denn er ist maßgeblich unter anderem am Bau eines Flughafens in Dubai beteiligt.

 

Money, money, money

Auch der britische Fernsehsender BBC hat in einer Reportage zum Thema festgestellt, wer in ein reiches Ölland am Golf will, braucht viel Geld: "Es gibt die weit verbreitete Auffassung, dass viele Golfstaaten ungeschriebenes Gesetz haben. Und das macht es Syrern praktisch unmöglich, ein Visum zu bekommen."
 
Das Argument, die Golfstaaten fürchteten, Ziel terroristischer Anschläge zu werden, weist Nassehi hingegen zurück: "Das ist ein paranoides Argument. Wer aus terroristischen Gründen kommt, der schafft das auch, wenn es drei Passkontrollen mehr gibt."

 

Ausweg Europa

Doch müssen sich die Golfstaaten gar nicht so sehr darüber sorgen, dass nun massenhaft Flüchtlinge in die Länder einströmen. Laut Nassehi machen sie eher einen Bogen um diese Länder, weil sie wissen, wie es hier zugeht: Ausbeutung und Unterdrückung sind an der Tagesordnung. "Es handelt sich nicht um Rechtsstaaten, wie in Europa. Denken wir nur an die indischen Arbeiter, die in Katar mehr oder weniger entrechtet als Arbeiter beim Bau der Fußballstadien für die WM eingesetzt wurden. Das sind auch für die Flüchtlinge keine attraktiven Ziele. Sie wollen dort gar nicht hin.

 

Und so bleibt den meisten Syrern und anderen eher mittellosen Flüchtlingen doch nur die Hoffnung auf Deutschland. Und die scheint grenzenlos optimistisch zu sein.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016