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Norwegen - Mehr Freiheit für Transgender

Länder: Norwegen

Tags: Transgender, Menschenrechte, Diskriminierung

In Norwegen wurde ein Gesetzesentwurf vorgelegt, der Transgendern die Änderung des Personenstands erleichtern und den Sterilisationszwang für die sexuelle Minderheit aufheben soll.

Norwegen hat beschlossen, mit gutem Beispiel voranzugehen."

Bent Høie, Gesundheitsminister Norwegens

Norwegen wolle sich seiner „mittelalterlichen“ Praktiken entledigen, erklärte der norwegische Gesundheitsminister

Bent Høie (Mitglied der konservativ liberalen Partei Høyre) bei der Vorstellung des Projektes „Right to right gender - Health to all genders“ (Recht auf das eigene Geschlecht – Gesundheit für alle) am 10. April 2015 in Oslo. Die Regierung möchte die Änderung des amtlichen Geschlechtes vereinfachen und sich gegen die Diskriminierung dieser sexuellen Minderheit einsetzen.

Das Gesundheitsministerium hat eine Expertengruppe ernannt, die zunächst den für Transgender seit 1970 geltenden Sterilisationszwang außer Kraft setzen soll. Damit geschlechtsumgewandelte Personen offiziell als solche anerkannt werden, „fordern die norwegischen Behörden die Sterilisierung derjenigen, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen haben“, erklärt Amnesty International. Sie müssen außerdem nachweisen, dass sie sich einer Hormonbehandlung und  psychiatrischen Untersuchungen unterzogen haben. Insgesamt dauert das Anerkennungsverfahren rund zehn Jahre. Diese Anforderungen stellten „eine Verletzung der Menschenrechte“ dar, entrüstet sich Rechtsanwalt Kari Paulrud, der an der Ausarbeitung des Gesetzesentwurfes beteiligt war. „Das Recht auf die Änderung des Personenstandes darf nicht länger an die Bedingung einer speziellen medizinischen Behandlung geknüpft sein.

 

Für eine tolerantere Gesellschaft

Die Menschenrechtsvertreter sprechen sich dafür aus, dass „eine Erklärung der betroffenen Person beim Personenstandsregister ausreichen sollte, um die Änderung vorzunehmen.“ Die Expertengruppe fügt außerdem hinzu, dass die Ausstellung der neuen Ausweispapiere – anders als im Vorreiterland Dänemark – unverzüglich zu erfolgen habe. Nach der Gesetzesänderung in Schweden im Jahr 2013 können seit dem 1. September 2014 auch die Dänen ihr Geschlecht offiziell ändern lassen, ohne sterilisiert zu sein. Allerdings haben sie dort noch eine Bedenkzeit von sechs Monaten.

Die aktuellen norwegischen Regelungen, die den Transgendern das Kinderkriegen verbieten, beruhten auf einer „diskriminierenden Gesellschaftsordnung“, so Patricia Kaatee, politische Beraterin bei Amnesty International Norwegen. In einer Kampagne gegen Ungleichheit im Februar 2014 zeigte sich die internationale Organisation empört darüber, dass mehrere europäischer Länder den Betroffenen ähnlich schwerfällige Verfahren auferlegen. Der Menschenrechtsorganisation zufolge verletzen Länder wie Deutschland, Belgien, Finnland, Frankreich, Irland und Norwegen die Rechte von 1,5 Millionen Transsexuellen in Europa.

Norwegen hat beschlossen, mit gutem Beispiel voranzugehen“, kündigte der Gesundheitsminister Bent Høie an. Die Regierung möchte so eine tolerante und einladende Gesellschaft schaffen. „Davon habe ich schon immer geträumt“, erzählt Jeannette (geborene John) Solstad Remø, eine Aktivistin des nationalen norwegischen Verbandes für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT). Ihr war die Änderung des Personenstandes 2010 verwehrt worden, da sie die vom Land auferlegten Bedingungen nicht erfüllte. 

Fabiola Dor 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016