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Norwegen – Das Ende der Nacktwerbung?

Länder: Norwegen

Tags: Werbung, Nacktheit

Eine Stadt in Norwegen verbannt neuerdings zu knapp bekleidete Models von ihren Reklametafeln.

Entblößte männliche Oberkörper und Frauen in Bikinis werden in Trondheim, der drittgrößten Stadt Norwegens, bald nicht mehr zum Straßenbild gehören. Zumindest nicht auf städtischen Werbetafeln, informiert die Seite 8ème étage unter Bezugnahme auf eine Meldung des öffentlich-rechtlichen norwegischen Rundfunksenders NRK. Am 10. Mai 2016 hat sich die Stadt in einer Abstimmung dafür ausgesprochen, auf stadteigenen Werbeflächen keine zu spärlich bekleideten Personen mehr zuzulassen. Ziel sei, nicht weiter dazu beizutragen – auch wenn dies unbeabsichtigt geschehe –, dass die Bürger ein negatives Körperbild entwickeln.

Werbung, durch die sich bestimmte Personen oder Personengruppen möglicherweise beleidigt oder diskriminiert fühlen, wird nicht mehr zugelassen. Das Gleiche gilt für Werbung, die das Erscheinungsbild eines oder mehrerer Models entstellt und somit dazu beiträgt, dass Menschen ein negatives Körperbild entwickeln, erläuterte die Stadtverwaltung in einer Mitteilung. Sie forderte außerdem, klar darauf hinzuweisen, wenn in einer Werbung Körper retuschiert wurden.

 

Gegen das Trugbild des perfekten Körpers

 

Ottar Michelsen, Vertreter der Sozialistischen Linkspartei im Stadtrat, unterstrich gegenüber NRK, Trondheim müsse seines Erachtens sicherstellen, dass den Bürgern nicht das Gefühl vermittelt werde, perfekt aussehen zu müssen: Wir sollten uns Gedanken darüber machen, welche Art Werbung wir unterstützen. So sollten wir keine Fotos akzeptieren, durch die der gesellschaftliche Druck in Sachen Aussehen weiter verstärkt wird.

Andere Stadträte, wie Yngve Brox von den Konservativen, sind eher ratlos, denn sie halten diesen Vorstoß für aussichtslos: Wir können nicht alle Bereiche der Gesellschaft genau nach unseren Vorstellungen regeln. Denn das würde bedeuten, dass wir alles bis ins kleinste Detail vorgeben und entscheiden müssten, welche Bilder korrekt sind und welche nicht“, äußerte er gegenüber NRK.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016