Nobelpreis für Kinderrechtler

Länder: Norwegen

Tags: Kailash Satyarthi, Malala Yousafzay, Friedensnobelpreis, Nobelpreis

In Oslo wurde an diesem Mittwoch der Friedensnobelpreis an die junge Pakistanerin Malala Yousafzai und den Inder Kailash Satyarthi verliehen. Das Nobelpreiskomitee würdigte beide Preisträger als Kämpfer für die Rechte von Kindern. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren stand die Entscheidung dieses Mal nicht unter dem Einfluss der aktuellen Weltpolitik.

 

Sie werden für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und Jugendlichen und für das Recht auf Bildung für alle Kinder ausgezeichnet.

Friedensnobelpreiskomitee

Zum ersten Mal seit 1979 und der Auszeichnung von Mutter Teresa, geht der Preis wieder an einen Vertreter aus Indien und zum ersten Mal überhaupt an eine Frau aus Pakistan, zwei Länder, zwischen denen noch immer ein Konflikt schwelt. Malala Yousafzaï und Kailash Satyarthi werden für "ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und Jugendlichen und für das Recht auf Bildung für alle Kinder" ausgezeichnet. Dieser Einsatz käme der "Verbrüderung der Nationen", der von Alfred Nobel formulierten Bedingung für den Erhalt des Preises, sehr nahe. In seiner Begründung heißt es, das Friedensnobelpreiskomitee betrachte es als sehr wichtig, dass ein Hindu und eine Muslimin, ein Inder und eine Pakistanerin, sich im gemeinsamen Kampf für Bildung und gegen Extremismus zusammentun.  

 

Malala Yousafzaïs Schicksal schockierte 2012 die Welt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nennt sie eine Heldin, der UN-Bildungssondergesandte Gordon Brown das "mutigste Mädchen der Welt". Schon mit elf Jahren setzte sie sich für das Recht auf Bildung für pakistanische Mädchen ein und geriet dadurch ins Visier der Taliban. Genau zwei Jahre und einen Tag ist es her, dass ein Talibankämpfer sie mit einem Schuss in den Kopf lebensgefährlich verletzte. Nach dem Attentat wurde sie nach England geflogen, wo sie anschließend Asyl erhielt. 2013 hielt sie eine Rede vor den UN-Abgeordneten in New York und erklärte: "Die Extremisten fürchten sich vor Büchern und Stiften. Die Macht der Bildung erschreckt sie." Ihr Ziel ist es, trotz aller Bedrohungen durch Extremisten nach Pakistan zurückzukehren, um dort Politikerin zu werden und "die Zukunft meines Landes zu verändern". Ihr großes Vorbild ist die 2007 ermordete Ministerpräsidentin Benazir Bhutto. Für ihren Kampf für Kinder- und Frauenrechte wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet (unter anderem 2013 mit dem Sacharow-Preis) und galt bereits 2013 als Favoritin für den Friedensnobelpreis. Mit ihren erst 17 Jahren ist sie die bisher jüngste Preisträgerin.

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"Wenn immer es irgendwo eine Krise gibt, sind die Kinder immer am meisten betroffen. Niemand beschützt sie", erklärte Kailash Satyarthi im ARTE-Interview im Juni 2012.

 

Kailash Satyarthi ist Inder und kämpft seit den 1980er Jahren gegen Kinderarbeit in seinem Land. Mit seiner Organisation "Bachpan Bachao Andolan" ("Rettet die Kindheit Bewegung") soll er im Laufe der Jahre zehntausende Minderjährige aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen bei Großindustriellen und in landwirtschaftlichen Betrieben befreit haben. Der 60-jährige ist einer der profiliertesten Kämpfer gegen Kinderarbeit weltweit. Seine Hauptanliegen sind, dass Kinderarbeit als Menschenrechtsverletzung angesehen wird und dass sich der Zugang zu Bildung für Kinder als Grundrecht etabliert.  Gandhis Tradition folgend, hat er mehrere friedliche Protestmärsche und Demonstrationen angeführt, die die Ausbeutung von Kindern zu finanziellen Zwecken anprangerten. Er hat auch bei der Ausarbeitung einer wichtigen internationalen Kinderrechtskonvention mitgewirkt.

 

In seiner Stellungnahme hat das Friedensnobelpreiskomitee die Notwendigkeit betont, dass Kinder zur Schule gehen müssen und nicht finanziell ausgebeutet werden dürfen. "Besonders in Konfliktgebieten führt die Verletzung der Rechte von Kindern zur Fortsetzung der Gewalt von Generation zu Generation." Der Respekt der Rechte Kinder und Jugendlicher sei daher eine wichtige Voraussetzung für eine friedliche globale Entwicklung. Zurzeit gibt es den Angaben der Internationalen Arbeiterorganisation zufolge 168 Millionen Kinderarbeiter auf der Welt. Allein in Indien schuften nach offiziellen Zensusdaten 12,6 Millionen Kinder - sie müssen Müll sammeln, Steine schlagen, Obst an Marktständen verkaufen oder Tee servieren. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Kinderarbeiter um 78 Millionen zurückgegangen, nicht zuletzt Dank der tatkräftigen Mithilfe der beiden Friedensnobelpreisträger. Die Welt kommt ihrem Ziel, die Kinderarbeit auszurotten, immer näher. ​


 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016