|

Nigeria: Vom Militärdiktator zum Hoffnungsträger

Länder: Nigeria

Tags: Nigeria, Buhari, Präsidentschaftswahl

Der frühere Militärdiktator Buhari ist der neue Hoffnungsträger Nigerias. Der 72 Jahre alte Muslim gewinnt die Präsidentschaftswahl vom 28. März mit 53,95 Prozent der Stimmen, 21 der 36 Bundesstaaten haben sich für ihn entschieden. Nun will er in Afrikas bevölkerungsreichstem Land für einen neuen Aufbruch sorgen.

Der hagere 72 Jahre alte pensionierte General ist ein ungewöhnlicher Hoffnungsträger für das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Er ist rund 50 Jahre älter als die Hälfte der Bevölkerung. Die durchschnittliche Lebenserwartung für Nigerianer hat er bereits um zwei Jahrzehnte überschritten. Auch seine Erfahrung als früherer Militärdiktator machte ihn zu einem ungewöhnlichen Kandidaten. Doch die Mehrheit der Nigerianer traut ihm zu, als Präsident einen neuen Aufbruch einzuleiten.

 

Integer und diszipliniert

Der Muslim Buhari gilt als integer und diszipliniert. Er will die größte Volkswirtschaft des Kontinents von den Plagen der Korruption befreien, für mehr Wachstum sorgen, die Armut bekämpfen und den islamistischen Terror von Boko Haram ausmerzen. Dank diesem Wahlprogramm ist ihm der erste friedliche Machtwechsel in Nigerias junger Demokratie gelungen.

 

Sein Anspruch, ein Kandidat der Erneuerung zu sein, beißt sich jedoch mit seiner Vergangenheit. Der Karrieresoldat wurde bereits vor 40 Jahren zum Militärgouverneur eines Bundesstaats ernannt und hatte daraufhin unter verschiedenen Militärregierungen zahlreiche Führungspositionen inne, inklusive Ministerämtern und einer Zeit als Chef des nigerianischen Ölkonzerns. 1983 putschte er sich schließlich an die Staatsspitze, seinen Vorgänger ließ er einsperren.

 

Buharis Kampf gegen Korruption und sein Gefängnisaufenthalt

Während seiner Regierungszeit setzte er die Verfassung außer Kraft und führte mit eiserner Faust eine Kampagne gegen Korruption und für mehr Disziplin im Staat. Die Presse- und Meinungsfreiheit wurde eingeschränkt. Doch die wirtschaftlichen Probleme Nigerias bekam er nicht in den Griff. Schon knapp zwei Jahre später wurde er seinerseits weggeputscht und landete für drei Jahre hinter Gittern.

 

Vom Militärgouverneur zum Demokraten

Inzwischen ist er jedoch nach eigener Aussage ein überzeugter Demokrat. 2003 bewarb Buhari sich erstmals bei einer Wahl um das Präsidentenamt. Er verlor. Auch 2007 und 2011. Doch am Wochenende siegte er gegen Amtsinhaber Goodluck Jonathan und leitet damit den ersten Machtwechsel seit der Rückkehr Nigerias zur Demokratie 1999 ein.


Der neue Staatschef steht nun vor gewaltigen Aufgaben. Die Armut in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas ist weit verbreitet, außerdem geht Boko Haram in Teilen des Landes brutal gegen Andersgläubige vor. Auch die Wahlen vom Wochenende waren von Gewalt überschattet.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016