Niger: Gewaltsame Demonstrationen gegen Charlie

Länder: Niger

Tags: Charlie Hebdo, Demonstrationen, Gewalt, Aufstände

Die neueste Ausgabe des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo war am Mittwoch innerhalb weniger Stunden in ganz Frankreich ausverkauft. In einigen muslimischen Ländern stieß die Titelseite, die einen weinenden Propheten Mohamed mit einem "Je suis Charlie"-Schild in der Hand zeigt, allerdings auf starke Kritik. Vielerorts gingen die Menschen gegen die Zeitung auf die Straße. In Niger forderten die Ausschreitungen bereits Todesopfer.

 

Es sind Szenen der Gewalt, die sich in den letzten Tagen in Niger abspielen. Am 17. Januar wurden in der Hauptstadt Niamey mehrere Kirchen in Brand gesetzt. Mindestens tausend Jugendliche versammelten sich zu Protesten in der Nähe der Großen Moschee, die von den Behörden verboten worden waren. Einige der Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Steinen und zündeten Autoreifen an, andere verbrannten eine französische Flagge und errichteten Straßenblockaden. Zwei Polizeiwagen gingen in Flammen auf. Demonstranten auf Motorrädern skandierten "Allah Akbar" (Gott ist groß). Die französische Botschaft in Niamey riet allen Franzosen im Land, zu Hause zu bleiben.

 

Bereits am Vortag war es in Zinder, der zweitgrößten Stadt des Landes zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Demonstranten stecken ein französisches Kulturzentrum und drei Kirchen in Brand. "Sie zündeten die Cafeteria, die Mediathek und Verwaltungsräume an", sagte der Direktor des Kulturzentrums, Kaoumi Bawa, der Nachrichtenagentur AFP. Mindestens vier Menschen wurden dabei getötet, 45 verletzt.

 

Auch in Jemen, Algerien, dem Sudan, dem Libanon, Dakar, Mauretanien oder der Türkei kam es zu Anti-Charlie Demonstrationen. In Pakistan wurden bei den Protesten zwei Menschen verletzt. Die Polizei ging mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Mitglieder der muslimischen Jamaat-e-Islami-Partei vor, die vor dem französischen Konsulat demonstrierten. Ein Zweig der pakistanischen Taliban, die Jamat-ul-Ahrar, feierte die beiden Attentäter, die den Anschlag auf die Redaktion in Paris verübt hatten. Sie hätten "die Erde von schmierigen Gotteslästerern befreit". Den größten Protest gegen Charlie Hebdo gab es in Jordanien. Dort zogen nach dem Freitagsgebet 2.500 Demonstranten durch die Hauptstadt Amman.