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Niederlande – Bohrungen bringen die Erde zum Beben

Länder: Niederlande

Tags: bohrens, Erdbeben

Im Norden des Landes stehen Erdgasbohrungen im Verdacht, Erdbeben zu verursachen. Allmählich reagieren auch die Behörden.

Hellum hat gebebt. In der 600‑Seelen‑Gemeinde der nordniederländischen Provinz Groningen wurde am 30. September 2015 ein Beben der Stärke 3,1 auf der Richterskala verzeichnet. Die Erdbewegung in drei Kilometern Tiefe scheint zu einer ganzen Serie von Erschütterungen zu gehören, die durch Erdgasbohrungen in der Nachbarstadt Slochteren hervorgerufen wurden, wie Courrier International berichtet. Die Bohrungen finden etwa 20 km vom Epizentrum entfernt statt. „Es handelt sich um das stärkste Beben seit Jahresbeginn“, schreibt die Amsterdamer Zeitung NRC Handelsblad. Im vergangenen Jahr wurden in der Region insgesamt 85 Erdbeben gezählt.

 

Angesichts dieser Häufigkeit und der immer stärker werdenden Erschütterungen beschloss Wirtschaftsminister Henk Kamp von der rechtsliberalen Volkspartei für Freiheit und Demokratie im Juni 2015 eine Drosselung der Gasgewinnung in der Gegend. In diesem Jahr sollen nur 30 Milliarden Kubikmeter gefördert werden, d. h. 9,5 Milliarden weniger als ursprünglich geplant. Dem Bürgermeister von Slochteren, Gebert-Jan ten Brink geht das jedoch nicht weit genug. Auf der Nachrichtenseite NOS fordert er die Regierung dazu auf, „den Gashahn weiter zuzudrehen und die Bebensicherung der Häuser zu beschleunigen“. Personen kamen bisher nicht zu Schaden, doch es gibt bereits zahlreiche materielle Folgen, wie zum Beispiel Risse an Gebäuden.

 

Gewinne wichtiger als die öffentliche Sicherheit

 

Das 1959 entdeckte Erdgasvorkommen in Groningen ist das größte in Westeuropa. Seit 1963 wird es ausgebeutet und hat maßgeblich zum Reichtum des Landes beigetragen, wie Courrier International mit einem Verweis auf Gesamteinnahmen von 265 Milliarden Euro für den niederländischen Staat in Erinnerung ruft. Trotz wiederholter Warnungen durch Ingenieure und Geologen erkannte die Regierung erst 2013 die Zusammenhänge zwischen den Gasbohrungen und einem Erdbebenrisiko an.

 

Insbesondere ein im Februar 2015 veröffentlichter offizieller Bericht zeigte die Haltung der Behörden in diesem Zusammenhang deutlich. In diesem Dokument wird die „geschlossene Bastion“ von Unternehmen und an der Gasgewinnung beteiligten Behörden angeprangert, für die „Gewinne [aus dem Gas] auf Kosten der öffentlichen Sicherheit Vorrang hatten“. Die Autoren des Berichts gehen sogar noch weiter und kommen zu dem Schluss, dass „die Sicherheit der Einwohner von Groningen unwichtig war“.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016