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Narco-Terrorismus – Die neue Gefahr

Länder: Mexiko

Tags: Terrorismus, Drogen, Mafia

Uwe Kranz, langjähriger Mitarbeiter von Europol und Experte für Organisierte Kriminalität, berät heute als unabhängiger Berater Regierungen, Organisationen und Firmen.

Herr Kranz, Sie sagen, dass die Verbindung von Drogenkartellen und Terrorismus immer intensiver wird. Wie schnell entwickelt sich dieser Narco-Terrorismus? 

Uwe Kranz: Es gibt eine sehr besorgniserregende Entwicklung beim sogenannten 'Narco-Terrorismus'. Waren es zu Beginn dieses Jahrtausends nur Erkenntnisse zu revolutionären Armeen in Lateinamerika, z.B. die Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC), sind es inzwischen weltweite Erkenntnisse, auch direkt vor Europas Haustür, ja schon in seinen Eingangsräumen. 

 

Koalitionen zwischen Drogenkartellen und Terroristen gefährden nicht nur gescheiterte oder schwache Staaten, sie gefährden die ganze Welt.

 

Gibt es konkrete Beispiele in Europa? 

Uwe Kranz: Das Madrider Zugattentat von 2004 - mit 191 Toten und 2.051 z.T. Schwerverletzte - hatten die islamistischen Terroristen mit Drogengeldern finanziert; in einer ihrer Wohnungen fanden die Ermittler noch Drogen im Wert von 1,5 Millionen Euro, Herkunftsland war Marokko - das Land, in dem schon im Mai 2003 ein mit Haschischprofiten finanziertes Bombenattentat in Casablanca - mit 32 Toten - verübt wurde. 

 

Ist der Narco-Terrorismus ein weltweites Phänomen oder ist er auf bestimmte Regionen beschränkt?

Uwe Kranz: Narco-Terroristen finden sich inzwischen weltweit: natürlich in Afghanistan (Taliban), aber auch in Ostafrika, speziell Somalia (Al-Shabaab, Al Ittihad Al-Islam gen. AIAI-), in Mittel- und Nordafrika, speziell Nigeria (Boko Haram) und Al-Qaida im Maghreb (AQIM) oder jüngst, wie im Film dargestellt im Mittleren Osten, speziell dem Libanon (Hizbollah), um nur die wichtigsten zu nennen. Ähnliche Probleme erwachsen derzeit in der ehemaligen UdSSR (Tschetschenien) und in China (Uigurien). Hinzu kommen die aktuellen Ausweitungen der 'Geschäftsfelder' der Narco-Terroristen: Menschenhandel und -schmuggel erleichtern die Schaffung von terroristischen Zellen in den Diasporen. Koalitionen zwischen Drogenkartellen und Terroristen gefährden nicht nur gescheiterte oder schwache Staaten, sie gefährden die ganze Welt.

 

Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Legalisierung von Drogen?  

Uwe Kranz: Cannabisanbau und -produktion sind inzwischen wachsende Geschäftszweige der weltweiten OK-Gruppen. Von daher ist auch der aktuellen Diskussion um Freigabe von Cannabisdrogen eine Absage zu erteilen. Dazu kommt, dass der Gehalt von Tetrahydrocannabinol in der Ware inzwischen enorm gestiegen ist. Die Schäden sind dramatisch: Neuronale Schäden wie Schizophrenie und die IQ-Reduktion, aber auch genetische Schäden und die Entwicklungsdefizite. Politik spielt dabei eine wichtige Rolle: Staaten mit restriktiver Drogenpolitik haben einen signifikant geringeren Anteil an Konsumenten als mehr liberale Staaten. Gesetzgebung kann also - begleitet von Erziehung und Präventionsarbeit - durchaus abschrecken. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016