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NAFTA - auf einen Blick

Länder: Welt

Tags: Nafta, USA, Kanada, Mexiko, Freihandelsabkommen

In Washington haben die dreitägigen Neuverhandlungen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA begonnen. US-Präsident Donald Trump hatte das Abkommen während seines Wahlkampfes immer wieder als "schlechtesten Deal aller Zeiten" bezeichnet und damit gedroht, NAFTA aufzukündigen. Mittlerweile Trump scheint die wirtschaftlichen Vorteile für die USA erkannt zu haben und strebt nach einer Modernisierung des Abkommens. ARTE Info erklärt in vier Punkten, was hinter NAFTA steckt und was sich in Zukunft ändern könnte.

Was ist Nafta?

NAFTA ist das Nordamerikanische Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Es trat am 1. Januar 1994 in Kraft. Vorausgegangen waren jahrelange Verhandlungen, drei US-Präsidenten waren nötig, um das Abkommen durchzubringen. Die Idee stammte von Ronald Reagan, ausgehandelt wurde es unter George Bush und schlussendlich unterzeichnet von Bill Clinton. Mit NAFTA wurde der nahezu unbeschränkte Zugang zu Gütern und Dienstleistungen in den drei Ländern beschlossen. Bis 2008 wurden fast alle Zölle abgeschafft und tarifäre Handelshemmnisse aus dem Weg geräumt.

 

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Welche Vorteile hat NAFTA?

Der Binnenmarkt umfasst 478 Millionen Menschen und sie profitieren alle mehr oder weniger von dem Freihandelsabkommen. Für die USA sind Kanada und Mexiko die größten Exportziele – sogar noch vor China - vor allem für Sachgüter und Dienstleistungen. Mexiko und Kanada wiederum exportieren am Meisten in die USA. Fast 60 Prozent der in die USA importierten Waren sind Zuliefererteile, hauptsächlich Teile für Autofabriken. Die Autoexporte von Mexiko in die USA belaufen sich sogar auf 80 Prozent. Gäbe es NAFTA nicht, dann müssten sich die Amerikaner darauf einstellen, deutlich mehr Geld beim Fahrzeugkauf auszugeben. Von 1994 bis 2016 haben sich die US-Exporte nach Mexiko versechsfacht, die mexikanischen Exporte in die USA sogar versiebenfacht. Insgesamt verfügt der Binnenmarkt über eine Wirtschaftsleistung von 17 Billionen US-Dollar.

 

Was wird an NAFTA kritisiert, vor allem von Donald Trump?

NAFTA sollte, wie jedes andere Freihandelsabkommen auch, für Wachstum und Wohlstand sorgen. Auf den ersten Blick ist das auch gelungen. Auf den zweiten Blick gibt es aber auch zahlreiche Kritikpunkte. US-Präsident Donald Trump zum Beispiel kritisiert, dass das Außenhandelsdefizit vor allem mit Mexiko zu groß sei. Das liegt daran, dass die USA mehr aus Mexiko importieren, als sie exportieren. Daran sind die USA zum Teil selber schuld, denn viele US-Unternehmen haben ihren Sitz nach Mexiko verlegt. Die Arbeitsbedingungen sind dort um einiges kostengünstiger, so fallen beispielsweise die Stundenlöhne für die Mitarbeiter deutlich geringer aus. Kurz: US-Industriejobs sind abgewandert - Wirtschaftsexperten gehen von 600.000 verlorenen Jobs aus - und das Handelsdefizit ist mittlerweile auf über 60 Milliarden Dollar gewachsen. Darüber ist Trump natürlich alles andere als "amused". Davon profitiert allerdings Mexiko, vor allem durch die US-Autoindustrie, die ihre Produktion teilweise nach Mexiko verlagert hat. Dadurch sollen insgesamt 300.000 Jobs geschaffen worden sein. Wer allerdings nicht profitiert, sind die mexikanischen Kleinbauern, sie leiden unter der Invasion von US-Mais und können der Konkurrenz kaum standhalten. Kanada war da schlauer. Das Land schützt seine Bauern nämlich mit Einfuhrbeschränkungen für Agrarprodukte aus den USA oder Mexiko.

 

Was soll reformiert werden?

Kanada und Mexiko haben unlängst angekündigt, energiepolitische Wünsche einbringen zu wollen und weitere Regeln für den elektronischen Handel aufzustellen. Der Online-Handel soll durch höhere zollfreie Beträge erleichtert werden. Kanada sieht darin aber die Gefahr, dass die Kanadier künftig dann mehr online aus den USA bestellen und sich das negativ auf den kanadischen Einzelhandel auswirken könnte.

Die USA wollen ihrerseits das Handelsdefizit mit Mexiko verringern, außerdem sollen US-Produkte, darunter Lebensmittel und Agrarprodukte, einen besseren Zugang zu den Märkten in beiden Nachbarländern bekommen. Des Weiteren will Donald Trump das Arbeitsrecht verschärfen, vor allem in Mexiko, damit US-Firmen nicht weiterhin ihre Produktion ins Nachbarland auslagern. 

 

Zuletzt geändert am 16. August 2017