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Nach dem Zahlungsausfall

Länder: Griechenland

Tags: Schuldenstreit, IFW, EZB, EU, Troika

Griechenland hat, wie angekündigt, eine vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gesetzte Frist bis heute Mitternacht verstreichen lassen. Bis dahin sollte Athen eine Kreditrate in Höhe von 1,54 Milliarden Euro zurückzahlen. Griechenland ist zwar das erste entwickelte Land, das seine IWF-Schulden nicht fristgerecht beglichen hat. Doch es ist nicht der einzige säumige Schuldner. 

Das Geld sei am Dienstag nicht beim IWF eingegangen, teilte IWF-Sprecher Gerry Rice in Washington mit. Die griechische Regierung hatte den Ausfall der Zahlung angekündigt. Offiziell spricht der IWF bislang von einem "Zahlungsrückstand". Griechenland könne erst dann neue IWF-Gelder erhalten, wenn die Rückstände beglichen seien. Rice fügte hinzu, die IWF-Führung sei über die ausbleibende Überweisung informiert worden. Seinen Angaben nach bat die griechische Regierung zudem um eine Verlängerung der Frist bei der Schuldenrückzahlung. Die IWF-Spitze werde sich damit "zu gegebener Zeit" beschäftigen.

 

Nicht der einzige säumige Schuldner

Griechenland ist das erste entwickelte Land, das seine IWF-Schulden nicht fristgerecht zurückzahlt. Bisher waren nur verarmte Entwicklungs- oder Schwellenländer zahlungssäumig. Aktuell sind der Sudan, Somalia und Simbabwe dem IWF insgesamt 1,8 Milliarden Euro schuldig, für die Washingtoner Behörde ein Klacks im Vergleich zur griechischen Schuldenlast beim IWF in Höhe von 25 Milliarden Euro. In der Vergangenheit hatten Länder wie Ecuador, Peru, Argentinien, Sambia oder Liberia ihre IWF-Kreditraten nicht zurückgezahlt. Am Ende beglichen aber alle ihre Schulden.  

 

IWF ohne Sanktionsmöglichkeiten

Der IWF besitzt gegenüber säumigen Staaten keine unmittelbaren Sanktionsmöglichkeiten. Er kann lediglich Mahnungen aussprechen. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte am Wochenende signalisiert, dass die Tür zu weiteren Gespräche mit Athen noch nicht völlig geschlossen sei. Die griechische Regierung hatte am Wochenende überraschend eine Volksabstimmung über die Reformvorschläge der Gläubiger Griechenlands angekündigt. Daraufhin scheiterten am Samstag die Verhandlungen der Euro-Finanzminister mit Athen. Das hatte die Diskussion über einen "Grexit" – das  Ausscheiden des Landes aus dem Euro - belebt.

 

Eurogruppe verhandelt weiter

Die Bemühungen, das Land vor dem Finanzkollaps zu retten, gehen weiter: Für Mittwoch erwarten EU-Diplomaten neue Spar- und Reformvorschläge aus Athen. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat für diesen Mittwoch eine weitere Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister anberaumt. Bereits am Dienstag hatten Athen und Brüssel Last-Minute-Vorschläge zur Lösung der Krise vorgelegt. Griechenland brachte ein weiteres Hilfsprogramm ins Spiel. Nach Medieninformationen erwägt Athen nun auch, die für Sonntag angesetzte Volksabstimmung unter der Bedingung abzusagen, dass die Eurogruppe die griechischen Vorschläge akzeptiert.  

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016