Myanmar: Zwei kleine Helden

Länder: Myanmar

Tags: Myanmar, Militärdiktatur, Karen Minderheit

Mit 12 Jahren galten die Zwillinge Johnny  und Luther Htoo als unbesiegbare Anführer einer Miliz der Volksgruppe der Karen. Gemeinsam kämpften sie gegen die Diktatur in Myanmar.   

 

Birmanie : l’étrange destin des frères Htoo

 

Heute sind Johnny und Luther 27 Jahre alt und die Zeit ihres Heldentums ist lange vorbei. Aber ihre Geschichte steht beispielhaft für das Schicksal vieler Volksgruppen, die es wagten, gegen die Militärdiktatur in Myanmar aufzubegehren. Luther lebt seit sechs Jahren in Schweden, getrennt von seiner Familie und seinem Volk, es ist nicht leicht für ihn, sich in seiner neuen Heimat zu integrieren. Aber er verdankt seinem Exil eine nie gekannte Freiheit: Bildung, Arbeit und damit eine neue Stabilität im Leben. Sein Zwillingsbruder Johnny erhielt nie ein Visum für ein Land im Westen. Er lebt bis heute mehr schlecht als recht in einem Flüchtlingslager an der Grenze zwischen Thailand und Myanmar.

Beide Brüder eint über viele tausend Kilometer der Entfernung voneinander noch immer ihr Kampf für die Rechte der Minderheit der Karen, ihres Volkes. Noch wenige Wochen vor den Wahlen in Myanmar am Sonntag schwankte Luther in seinem Exil in Schweden ernsthaft, ober er nicht lieber wieder aktiv für sein Volk in der Heimat kämpfen sollte, anstatt sich in Schweden zu integrieren.  Unsere Reporter haben die beiden Brüder getroffen und sie nach dem Wiedersehen der beiden eine Weile begleiten dürfen.  

Von Steve Sandford, Am Stanford und Loretta Dalpozzo – ARTE GEIE – Baozi Productions – Frankreich 2015 

Unser Interview mit dem Reporter

Das Volk der Karen
Localisation des populations karens en Birmanie

Seit die britische Kolonialmacht Birma, das heutige Myanmar, 1948 in die Unabhängigkeit entließ, verfolgte die Armee des Landes die Karen und andere ethnische Minderheiten im Land: Die Karen sind mit heute geschätzt 4 bis 5 Millionen die zweitstärkste Minderheit, sie kämpften jahrzehntelang für einen eigenen Bundesstaat. Die Militärdiktatur aber unterdrückte die Karen mit immer neuen militärischen Attacken, systematischen Vertreibungen und Menschenrechts-Verletzungen: Sie zerstörten tausende ihrer Dörfer, vertrieben hunderttausende Frauen, Männer und Kinder über die Grenze nach Thailand, vermutlich noch viel mehr von ihnen wurden im Land zwangsumgesiedelt. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln, denn die von 1948 bis 2010 herrschenden Militärs bemühten sich erfolgreich, die wahren Zustände im Land zu verschleiern. Immerhin: Am 15. Oktober dieses Jahres unterzeichnete Myanmars Präsident Thein Sein ein Waffenstillstands-Abkommen mit mehreren ethnischen Rebellen-Gruppen, unter ihnen auch die Karen. Mit gut 30 Prozent der Bevölkerung im Land spielen diese ethnischen Volksgruppen bei den Parlamentswahlen am Wochenende eine nicht zu unterschätzende Rolle.  

Ursprünglich gab die ehemalige britische Kolonialmacht einer indigenen Volksgruppe mit ähnlichen Sprachen den Namen Karen - es gibt darunter allerdings viele Gruppen, die sich ethnisch voneinander unterscheiden. Sie leben in den Bergen im Südwesten Myanmars und im Südosten entlang der Grenze zu Thailand. Sie zählen durch die jahrzehntelangen Repressionen zu den Ärmsten in Myanmar, vor allem auch durch die Zwangsumsiedlungen aus ihren angestammten Regionen in die Armen-Viertel der großen Städte wie Rangun, Mandalay, Nay Pyi Taw und Moulmein.    

Hunderttausende Karen flohen in den vergangenen Jahrzehnten vor der Gewalt der Militärregierung in Flüchtlingslager nach Thailand, dicht an der Grenze zu Myanmar. Ihre Aussichten auf eine Rückkehr in ihre Heimat sind mehr als ungewiss. Im Westen sind vor allem die sogenannten "Long Neck Karen" bekannt: die Frauen der Karen-Volksgruppe der Padaung mit ihrem traditionellen Messinghalsschmuck. Die Padaung flohen vor der Diktatur in den Norden Thailands und ihre Frauen verdienen ein wenig Geld als touristische Attraktion in eigens dafür eingerichteten "Dörfern".   

 

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016