|

Musik im Internet: Künstler gegen Streamingdienste

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: Musik, taylor swift

Mehr als 30 Millionen verkaufte Alben, sieben Grammys und knapp 60 Millionen Follower auf Twitter: Die US-amerikanische Sängerin Taylor Swift ist die unangefochtene Ikone des Pop. Immer wieder spricht sie sich öffentlich für die angemessene Bezahlung von Musikern aus und stellt sich gegen Anbieter von kostenlosen Streamingangeboten. Nun hat sie mit einem Blogeintrag den Musikriesen Apple zum Umdenken gebracht. Er wollte Musiker in der Testphase seines Streamingangebots nicht bezahlen.

"Wir bitten euch nicht um kostenlose iPhones. Bittet uns nicht darum, euch umsonst mit unserer Musik zu versorgen." Mit diesen Worten hat sich die Country- und Popsängerin Taylor Swift in ihrem Blog gegen den Apple-Konzern gewandt. Der plant in der kommenden Woche in das Streaming-Geschäft einzusteigen. Dabei können Songs online gehört werden, anstatt sie - wie bis jetzt bei Apple üblich - vorher herunterzuladen. Der Hintergrund: Apple wollte in der dreimonatigen kostenlosen Testphase für Nutzer die Künstler und Plattenfirmen nicht bezahlen, danach einen erhöhten Anteil zwischen 71,5 Prozent und 73 Prozent abgeben. In der Branche sind Anteile von 70 Prozent üblich. So sollten Künstler und Plattenfirmen hinterher an ihr Geld kommen. "Drei Monate ist eine lange Zeit ohne Bezahlung", schreibt Swift. "Und es ist unfair jemanden zu bitten, gratis zu arbeiten." In dem Eintrag droht sie damit, ihr neuestes Album "1989" - das meistverkaufteste seit der "Eminem Show" im Jahr 2002 - von dem Dienst auszuschließen.

Taylor Swift setzt sich durch

Es brauchte nur wenige Stunden, bis der Konzern einlenkte. Der Apple-Manager Eddy Cue verkündete auf seinem Twitter-Account, dass die Firma die Künstler bezahlen würde. Auch während der Probephase.

 

 

Bereits im November vergangenen Jahres hatte die 25-Jährige mit ihrem Engagement für Aufsehen gesorgt. Damals zog sie ihre Songs vom bekannten Streamingdienst Spotify zurück. "Ich glaube, dass Musik nicht kostenlos sein sollte und ich sage voraus, dass eines Tages die Künstler und Labels den wahren Preis eines Albums bestimmen werden", hatte sie damals gesagt.

Widerstand aus Deutschland

Auch der deutsche Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUM) wendet sich in einem offenen Brief an Apple. Darin kritisiert er, dass die Vertragsbedingungen von Apple Music "für unsere Mitglieder und deren Künstlerinnen und Künstler zu erheblichen Umsatzeinbußen bei den Lizenzeinnahmen führen". Im Extremfall könne dies existenzgefährdend sein.

Wie viel bleibt unter dem Strich für die Künstler?

Das schwedische Unternehmen Spotify ist vor anderen Streamingdiensten, wie Deezer, Rdio oder Napster unangefochtener Marktführer in der Branche. Es gibt an, 60 Millionen Nutzer weltweit zu haben, von denen etwa 15 Millionen knapp 10 Euro im Monat für die Premiumversion zahlen. Der Rest streamt kostenfrei, nimmt dafür aber Werbeunterbrechungen und Einschränkungen in der Verfügbarkeit von Liedern in Kauf.

1500

US-Dollar verdient ein US-amerikanischer Künstler durch Spotify - bei 1 Mio. Klicks.

 

Die Tantiemen werden nach einer Formel berechnet, die die Bekanntheit des Künstlers und den Umsatz der Plattform einbezieht. Unter dem Strich stünde laut Angaben des Unternehmens eine Summe von 0,006 bis 0,0084 US-Dollar pro Klick. Ein US-Künstler verdient so mit 1.000.000 Klicks etwa 1500 US-Dollar. Dabei ist zu beachten: Spotify zahlt das Geld an die Besitzer der Songrechte – meistens die Plattenfirmen der Künstler. Wie viel diese den Künstlern überlassen, regeln sie untereinander.

Keinen Durchblick?

Die Cellistin Zoe Keating legt ihre Einnahmen durch Spotify offen. Hier die Zusammenfassung der letzten drei Jahre.

Für Taylor Swift, aber auch für viele andere Musiker, wie Thom Yorke, Frontmann von Radiohead, ist das zu wenig. Sie haben dabei nicht nur ihre eigenen – soliden – Finanzen im Kopf. Sie sehen in dem Bezahlsystem vor allem einen Nachteil für kleine, unbekannte Bands, die nicht die notwendigen Klickzahlen erreichen, um von den Einnahmen über Streamingdienste leben zu können.  

Eine Streamingdienst in Künstlerhand

Einen Durchbruch im Streit zwischen Künstlern und Streamingfirmen sollte die Plattform Tidal bringen, hinter der der Rapper und Produzent Jay Z steckt. Als diese Ende Mai online ging, warb sie damit, der erste Streamingdienst in Künstlerhand zu sein. Auf der Pressekonferenz stellte Jay Z 15 Musikstars als Teilhaber der Plattform vor. Darunter seine Frau Beyoncé, Madonna, Rihanna und Kanye West. Der Dienst will 75 Prozent des Gewinns an Künstler und Plattenfirmen abgeben – fünf Prozent mehr als die anderen Anbieter. Dafür kostet er zehn oder 20 US-Dollar pro Monat, je nach Qualität der Songs. Wirklich erfolgreich ist das Konzept noch nicht: Mit knapp 600.000 zahlenden Kunden ist die Plattform vergleichsweise klein.

Auch Apple profitiert von Taylor Swifts Kritik

Mit dem Start von Apple Music geht auch die Diskussion um die Bezahlung der Künstler in eine neue Runde. Streamingdienste ermöglichen das Hören von Musik überall dort, wo es Internet gibt – in Europa und den USA also praktisch überall. Es ist wichtig, dass Künstler dafür angemessen bezahlt werden. Eines ist aber auch klar: Von Taylor Swifts Kritik an Apple profitiert auch der Konzern selbst. Wenn der Dienst nächste Woche online geht, werden sich viele Nutzer daran erinnern, dass Apple scheinbar Rücksicht auf die Anliegen der vielen Bands und Künstler legt, deren Lieder auf der Plattform zu finden sind. 

Werden Schriftsteller bald pro gelesener Seite bezahlt? Das ist zumindest die Idee des Internethändlers Amazon, der dieses Projekt ab dem 1. Juli umsetzen wird. Die Autoren selbstverlegter E-Books, die auf der Plattform Kindle Unlimited zur Verfügung stehen, werden dann nur noch für die Seiten bezahlt, die auch gelesen werden.

 

.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016