|

Mossul: Irakische Truppen stoßen in die Stadt vor

Länder: Irak

Tags: Schlacht um Mossul, Flüchtlinge, Türkei, #BringBackOurGirls

Irakische Soldaten sind am Dienstag, 1. November erstmals ins Gebiet der Stadt Mossul vorgedrungen - zwei Wochen nach Beginn der Offensive, mit der die Stadt von der Terrororganisation IS zurückerobert werden soll.

Aus östlicher Richtung haben die irakischen Elitetruppen am Dienstag nach eigenen Angaben die zweitgrößte Stadt des Irak gestürmt. Der erste, symbolträchtige Etappensieg: Sie haben das Gebäude des Fernsehsenders von Mossul zurückerobert. Taleb Schegati al-Kenani, der Kommandeur der irakischen Spezialeinheiten, sprach vom "Beginn der wirklichen Befreiung der Stadt Mossul". 

Der irakische Premierminister Haider al-Abadi kündigte am Dienstag im irakischen Fernsehen an: "Wir werden die IS-Kämpfer von allen Seiten einkesseln. Es gibt keinen Ausweg für sie - sie können entweder sterben oder sich ergeben."

Scharfschützen in eroberten Gebieten

Die Rückeroberungsoffensive von Mossul begann am 17. Oktober. Die irakische Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und teilweise untereinander verfeindete irakische Milizen haben sich zu einer Koalition zusammengeschlossen, um die Stadt dem IS zu entreißen. Seit Beginn der Offensive seien mehr als 3000 Bomben und Raketen auf IS-Ziele geworfen worden, sagte Oberst John Dorrian, der Sprecher der Koalition. Bevor sie ins Stadtgebiet von Mossul eindrangen, haben die unterschiedlichen Partner der Rückeroberungsoffensive in der östlichen, südlichen und westlichen Peripherie von Mossul Stellung bezogen. Es gab Berichte von heftigen Straßenkämpfen. Denn dort verstecken sich häufig noch Scharfschützen und andere Kämpfer der Terrormiliz IS in Gebäuden und Tunneln. 

 

Enfant réfugié Mossoul
© DELIL SOULEIMAN / AFP

 

Eine Million zivile Flüchtlinge erwartet

Das Vordringen der Koalitionstruppen ins Stadtgebiet von Mossul ist eine wichtige Etappe bei der Rückeroberung der Stadt. Dennoch ist es noch ein weiter Weg bis zu ihrer vollständigen Befreiung. Der IS wird seine irakische "Hauptstadt" so leicht nicht preisgeben - Beobachter rechnen damit, dass sich die Schlacht noch monatelang hinziehen wird. Zwischen 3000 und 5000 IS-Kämpfer sollen sich in der Stadt befinden, sie werden vermutlich die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde missbrauchen.

In Mossul leben ungefähr 1,5 Millionen Menschen, nach Schätzungen der Hilfsorganisation Save The Children sind unter ihnen etwa 600.000 Kinder. Wer sich entscheidet, in der Stadt zu bleiben, riskiert, in die Schusslinie von Luftschlägen oder Straßenkämpfen zu geraten. Wer aus Mossul flieht, läuft Gefahr, durch Landminen umzukommen und von IS-Kämpfern gefangen genommen und getötet zu werden. Save the Children fordert deswegen die Schaffung sicherer Fluchtkorridore aus der Stadt hinaus. 

Seit Beginn der Offensive sind nach Angaben des Norwegischen Flüchtlingsrats bereits 20.000 Menschen aus ihren Häusern geflohen, zahlreiche Familien wurden getrennt. Mit dem tatsächlichen Beginn des Kampfs um Mossul rechnet die UNO nun mit einer humanitären Katastrophe. 

Türkischer Militärkonvoi überquert die Grenze zum Irak

Für zusätzliche Spannungen sorgt derweil die Türkei. Am Dienstag stationierte die Türkische Armee Soldaten sowie etwa dreißig Militärfahrzeuge, vor allem Panzer, in der Nähe der nordirakischen Stadt Baschika. Offiziell bildet die türkische Armee hier freiwillige irakisch-sunnitische Kämpfer aus. Doch Ankara will auch bei der Rückeroberung von Mossul mitmischen, was die irakische Führung bisher strikt ablehnt. Am Dienstag sagte der irakische Premierminister al-Abadi, der Irak werde die Türkei als Feind behandeln, sollte es zu Konfrontationen kommen. Einen Krieg wolle man aber vermeiden. 

Unsere Reportagen zum Thema:
Die erwartbare humanitäre Katastrophe
Die irakische Armee auf dem Weg nach Mossul
Irak: Live von der Front

 

 

Zuletzt geändert am 2. November 2016