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Mindestlohn - jetzt kommt er auch in Deutschland

Länder: Welt

Tags: SMIC, union européenne

Der Mindestlohn kommt – am 1. Januar 2015 ist es soweit. Dann gilt in Deutschland die branchenübergreifende Lohnuntergrenze von 8,50 € pro Stunde. Viele Angestellte werden davon profitieren, ihre Kaufkraft steigern und mehr konsumieren. Gleichzeitig warnen Arbeitgeber und Wirtschaftsexperten: Die Konjunkturaussichten sind nicht mehr so rosig wie noch vor ein paar Monaten – da könnte die wichtigste wirtschaftspolitische Entscheidung der großen Koalition Unternehmen in Schwierigkeiten bringen und so Arbeitsplätze kosten. Deutschland ist der 22. Staat in der Europäischen Union, der einen Mindestlohn einführt. Luxemburg hat bereits 1944 als erstes Land Europas die Untergrenze für Löhne fixiert, Frankreich folgte 1950. ARTE hat für Sie Reaktionen aus Deutschland und einen Überblick zum Thema Mindestlohn in Europa zusammengestellt.

Der Mindestlohn in Deutschland und in Frankreich – die wichtigsten Zahlen im Vergleich:

 

 

Die einen erwarten ihn freudig, die anderen fürchten negative Folgen für die Wirtschaft. In Deutschland scheiden sich bei die Einführung des Mindestlohns die Geister, sowohl unter Politikern, als auch bei der Bevölkerung. Hier einige Reaktionen:

 

 

Wer hat in Europa Anspruch auf einen Mindestlohn?

 

 

In Europa ist der Mindestlohn nicht überall gleich hoch. Hier sehen Sie die Höhe der gesetzlichen Lohnuntergrenze in den einzelnen Ländern:

 

Grafik: Côme Peguet

 

Ein Mindestlohn für ganz Europa?

Bereits bei der Einführung des Euro wurde er diskutiert - und damals als eine Utopie der Funktionäre in Brüssel abgetan. Zum Europa-Wahlkampf im Mai 2014 kam die Debatte wieder hoch: Warum nicht einen europaweiten Mindestlohn einführen? Viele Europaabgeordnete sehen in ihm ein effektives Mittel im Kampf gegen Dumpinglöhne. Die Europaparteien waren sich aber nicht einig, wie man ihn konkret gestalten sollte.

- Die europäischen Sozialdemokraten wollen einen solchen Mindestlohn, unter der Voraussetzung, dass er an das Lohnniveau in den Mitgliedsstaaten angepasst ist. Sie schlagen einen Mindestlohn vor, der 60% des jeweiligen Durchschnittslohns beträgt.  

- Die Grünen und die Europäische Linke wollen ebenfalls einen Mindestlohn, der allerdings auf lange Sicht vereinheitlicht werden soll. Dabei sollen in den Mitgliedsländern Mindestlöhne eingeführt werden, die sich an den jeweiligen Landeslöhnen orientieren, dann aber schrittweise zu einer einheitlichen Lohnuntergrenze zusammengeführt werden, die sich an hohen Standards orientiert.

- Das Zentrum spricht sich nicht klar für einen Mindestlohn aus. Die Liberalen sind gegen einen gemeinsamen Mindestlohn, einige französische Abgeordnete sprechen sich aber für einen Mindestlohn aus.

- Die Konservativen unter Jean-Claude Juncker denken ebenfalls über eine weitere Harmonisierung nach. Die Abgeordneten der Europäischen Volkspartei (EVP) sprechen sich etwa für einen einheitlichen Sozialhilfesatz aus. Beim gemeinsamen Mindestlohn ist sich die EVP uneinig: Einigen Mitgliedern reicht es aus, wenn in den Mitgliedsländern voneinander unabghängige Mindestlöhne eingeführt werden.

- Die rechtsextreme Europäische Allianz für Freiheit (EAF) ist gegen einen gemeinsamen Mindestlohn. Vor allem die französischen Abgeordneten fürchten, dass ein einheitlicher Mindestlohn niedriger ausfallen würde, als die hoch angesetzte Lohnuntergrenze in Frankreich und somit die Löhne in ihrem Land nach unten korrigiert werden könnten.
(Quelle: Le Monde 21.05.2014)     

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016