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Radikale Kurdengruppe bekennt sich zu Anschlägen in Istanbul

Länder: Türkei

Tags: Recep Tayyip Erdogan, Terror

Istanbul ist erneut von schweren Anschlägen erschüttert worden: Bei zwei Bombenexplosionen vor einem Fußballstadion und in einem Park im Zentrum der türkischen Metropole wurden nach Regierungsangaben am Samstagabend mindestens 38 Menschen getötet, die meisten von ihnen Polizisten. Es gab zudem 166 Verletzt. Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte die Anschläge "abscheulich". Die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) hätten die Verantwortung für den Doppelanschlag von Samstagabend übernommen, meldete am Sonntag die Nachrichtenagentur Firat, die den kurdischen Rebellen nahesteht. Die TAK gilt als radikale Splittergruppe der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

 

Nach Angaben von Innenminister Süleyman Soylu war kurz nach einem Fußballspiel zwischen den türkischen Erstligaclubs Besiktas und Bursaspor um 22.29 Uhr (Ortszeit, 20.29 Uhr MEZ) eine Autobombe vor der Vodafone Arena, dem Stadion von Besiktas, explodiert. Der Anschlag galt seinen Angaben zufolge einem Bus mit Polizisten, die das Fußballspiel abgesichert hatten. 45 Sekunden später habe sich im nahegelegenen Macka-Park ein Selbstmordattentäter in einer Gruppe Polizisten in die Luft gesprengt.

Fernsehbilder zeigten schwer beschädigte Polizeifahrzeuge sowie ein brennendes Auto und mehrere Rettungswagen. Nach Angaben von Augenzeugen gingen zudem mehrere Fenster von benachbarten Häusern zu Bruch. Die Polizei riegelte das gesamte Gebiet rund um die Vodafone Arena ab, die im Stadtteil Besiktas im europäischen Teil der Metropole liegt. Die Gegend zwischen dem Taksim-Platz und dem ehemaligen Sultanspalast Dolmabahce ist auch bei Touristen sehr beliebt.

Erdogan sprach von einem "Terrorakt", der sich gegen die türkischen Sicherheitskräfte und die Menschen in Besiktas gerichtet habe. Die zwei Explosionen unmittelbar nach dem Ende des Fußballspiels hätten offenbar möglichst viele Menschen töten sollen. Die Menschen in Istanbul hätten wieder einmal "das hässliche Gesicht des Terrorismus" miterlebt, der "Werte und Moral mit Füßen tritt".

Nach Berichten türkischer Staatsmedien hielt Erdogan sich zum Zeitpunkt des Anschlags in seiner Istanbuler Residenz im Vorort Tarabya auf. Im Dolmabahce-Palast hat Regierungschef Binali Yildirim seine Istanbuler Büros.

Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus erklärte, der Anschlag habe sich ganz klar gegen die Polizei gerichtet. Auch Besiktas verurteilte den Anschlag. Nach Angaben des Fußballclubs gab es unter den Anhängern und Spielern beider Fußballclubs keine Verletzten.

In Istanbul hatte es in diesem Jahr schon mehrere schwere Anschläge gegeben, für die die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) oder deren Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) oder die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich gemacht wurden.

Im Januar waren bei einem Anschlag auf eine deutsche Reisegruppe im Touristenviertel Sultanahmet zwölf Deutsche getötet worden. Im März riss ein Selbstmordattentäter auf der beliebten Einkaufstraße Istiklal vier ausländische Touristen aus Israel und dem Iran mit in den Tod. Im Juni wurden bei einem dreifachen Selbstmordanschlag in der Abflughalle des Atatürk-Flughafens 47 Menschen getötet. Istanbul war auch einer der Hauptschauplätze des blutigen Putschversuchs Mitte Juli.

Zu den Anschlägen am Samstag bekannte sich zunächst niemand. Nach Angaben von Innenminister Soylu wurden bereits kurz nach dem Anschlag zehn Verdächtige festgenommen und in Gewahrsam genommen worden. Laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu übernahm die Anti-Terror-Abteilung der Istanbuler Staatsanwaltschaft die Ermittlungen.

Das Auswärtige Amt in Berlin empfahl am Samstag allen Reisenden in Istanbul, vorerst in ihren Hotels und Unterkünften zu bleiben und sich über seine Reisehinweise oder die Medien über die weitere Lage zu informieren.