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Mexikos unterlaufener Sicherheitsapparat

Länder: Mexiko

Tags: Drogenkartell, Studenten, Kriminalität

Nachdem in Iguala 43 Studenten nach einem Zusammenstoß mit der Polizei einfach verschwanden, hat die Bundespolizei die Kontrolle über die Stadt übernommen. Der Verdacht: Beamte der örtlichen Polizei sollen für das örtlich ansässige Kartell der Guerreros Unidos arbeiten und für das Verschwinden der Studenten verantwortlich sein.

 

Die Studenten gehörten zu dem Lehrerseminar Ayotzinapa, das als politisch links gilt und sich oft an politischen Protestaktionen beteiligt. Sie waren am 26. September nach Iguala gekommen, um für höhere Subventionen zu demonstrieren. Danach hätten die Studenten mehrere öffentliche Busse gekapert, um in die Provinzstadt Chilpancingo zurück zu fahren aus der sie kamen. Die Polizisten sollen daraufhin das Feuer eröffnet haben. Sechs Studenten starben, 25 wurden verletzt und 43 weitere wurden in Polizeiautos abgeführt und bisher fehlt von ihnen jede Spur. 

26

der 34 festgenommenen Tatverdächtigen sind Polizisten aus Iguala. 

 

 

Inzwischen haben 400 Bundespolizisten sowie Einheiten der Streitkräfte die Kontrolle über die Stadt übernommen. 34 Tatverdächtige wurden festgenommen, darunter auch 26 Polizisten aus Iguala. Und dafür gibt es einen guten Grund: Ein Großteil der lokalen Polizeibehörde soll von dem Clan der Guerreros Unidos unterwandert sein. Die Guerreros Unidos, zu Deutsch Vereinigte Krieger, sind aus dem bewaffneten Arm des Drogenkartells Beltran Leyva hervorgegangen und gelten als sehr brutal.

 

Die Frau des Bürgermeisters als Hauptverdächtige  

Doch welches Interesse hätte das Drogenkartell daran, die Studenten zu töten? Dazu sollen sich der Bürgermeister von Iguala und dessen Frau äußern. Beide sind seit dem Vorfall auf der Flucht. Maria de los Angeles Pineda, die Frau des Bürgermeisters, ist die Schwester zweier Drogenbosse der Guerreris Unidos. Sie soll die Festnahme der Studenten befohlen haben, damit die Studenten sie nicht bei einer geplanten Rede unterbrechen würden. Gegen das Ehepaar liegt ein Haftbefehl vor, doch bisher ist es unauffindbar. Gleiches gilt für den Sicherheitschef der Stadt Iguala.

 

80

der 122 meistgesuchten Kriminellen in Mexiko wurden seit der Amtsübernahme des aktuellen Präsidenten Enrique Peña Nieto festgenommen.

 

Die Regierung des aktuellen mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto steht wegen dem unerklärten Verschwinden der Studenten stark in der Kritik. Und das obwohl Nieto seit seiner Amtsübernahme 80 der 122 meistgesuchten Kriminellen in Mexiko festnehmen ließ. Doch dies könnte das schlimmste Massaker seit der Ermordung von 72 Migranten in San Fernando unter seinem Vorgänger Felipe Calderon sein.

 

Mit dem Voranschreiten der Ermittlungen wird es immer unwahrscheinlicher, die Studenten lebend wiederzufinden. Vor den Toren der Stadt Iguala wurden bereits fünf Massengräber entdeckt – alle durch Hinweise von Festgenommenen. Die Identifizierung der Leichen ist noch nicht abgeschlossen, aber nicht bei allen soll es sich laut Angaben des Gouverneurs des Bundesstaates Guerrero um die Leichen verschwundener Studenten handeln. Der Fall bringt also noch neue Gräueltaten ans Licht.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016