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Mexiko: Gefährliches Pflaster für Journalisten

Länder: Mexiko

Tags: Journalist, Korruption

Die Leichen des mexikanischen Fotojournalisten Ruben Espinosa und vier Frauen wurden am Samstag in einem Mittelklasse-Viertel in Mexiko-Stadt entdeckt. Über die Identität der Frauen ist bislang nur wenig bekannt, bei einer der Frauen soll es sich um eine Menschenrechtsaktivistin handeln. Zu den Motiven für die Bluttat gibt es bislang keine Angaben. Am darauffolgenden Sonntag gingen dann 2.000 Menschen auf die Straßen der Hauptstadt, um für mehr Gerechtigkeit zu demonstrieren. Denn in Mexiko werden immer wieder Journalisten getötet. Laut Angaben des Committee to Protect Journalists wurden seit 2000 über 80 Medienschaffende ermordet oder verschleppt. Die Fälle werden nur selten aufgeklärt. Auf der Weltrangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Mexiko auf Platz 148 von 180 Staaten. Ein Team von ARTE Journal hatte Espinosa im vergangenen Mai in Xalapa im Bundesstaat Veracruz getroffen, wo er lebte und arbeitete. Die Region gilt in Mexiko als das gefährlichste Pflaster für Journalisten. Espinosa sagte im Interview, dass er denkt, ziemlich weit oben auf der Liste der Journalisten zu stehen, die beseitigt werden sollen. Innerhalb von fünf Jahren hat der Journalist, der unter anderem für die regierungskritische Zeitschrift „Proceso“ berichtete, 16 Kollegen verloren. Mit Espinosa wurden seit Jahresbeginn sieben Journalisten allein in Mexiko-Stadt getötet. Hier können Sie die Reportage über Espinosa nochmal anschauen:

 

Mexique : les journalistes en ligne de mire

Seit dem Jahr 2000 sind mit dem Übergang zur Demokratie über 100 Opfer zu beklagen, das letzte wurde am 5. Mai dieses Jahres an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Oaxaca und Veracruz aufgefunden. Veracruz wiederum verzeichnet die meisten getöteten Journalisten in Mexiko – ermordet sowohl von ‚Narcos‘ als auch von Handlangern des lokalen Gouverneurs. Reportage in Xalapa, der politischen Hauptstadt von Veracruz.

 

Für die Pressefreiheit waren die ersten Monate des Jahres 2015 in Lateinamerika katastrophal. Vor allem in Mexiko, so die jüngsten Bilanz der Interamerikanischen Pressegesellschaft. Die jüngsten Ereignisse: Anfang Mai wurde die von Kugeln durchsiebte Leiche eines Journalisten aus dem Bundesstaat Veracruz im Osten des Landes gefunden. Drei Wochen zuvor war der Inhaber eines Gemeinschaftsradios im Nachbarsaat Oaxaca ermordet worden. Amnesty International zeigte sich sehr besorgt über die Menschenrechtslage in diesem Teil der Welt. So hat die Menschenrechts-Organisation im vergangenen Monat in Mexiko ihr Amerika-Büro eröffnet. Die Organisation stellt fest, dass die Region immer wieder Schauplatz von Folterungen, Übergriffen auf Menschenrechtsaktivisten, Verschleppungen und außergerichtlichen Exekutionen ist.

 

Vorrangige Opfer: Journalisten

Seit dem Jahr 2000 hält Mexiko weltweit den Rekord an ermordeten oder vermissten Journalisten. Einer der bekanntesten Fälle ist die Ermordung der Journalistin Regina Martinez in ihrem Haus am 28. April 2012. Sie schrieb für das berühmten Wochenblatt "Proceso", das regelmäßig Korruption und Kungeleien von Volksvertretern und Polizisten mit den "Narcos" anprangert. Ihre Ermordung wurde nie vollständig aufgeklärt.

​​Mario Flores, Staatsanwalt von Xalapa in Veracruz, bezeichnete den Mord an Regina Martinez als feigen Akt, allerdings sehen seine Kollegen dies aus vielerlei Gründen anders: widersprüchliche Zeugenaussagen, verschwundene oder gefälschte Beweise – nichts Ungewöhnliches, im Bundesstaat Veracruz, der seinerseits wiederum den aktuellen Rekord an ermordeten Journalisten in Mexiko hält. Kommentar des Korrespondenten von "Proceso" in Xalapa, der Verwaltungshauptstadt von Veracruz:

 

Noé Zavaleta – Korrespondent von "Proceso" in Veracruz
Mexique : Interview Noé Zavaleta

Jorgé Carrasco – investigativer Journalist bei "Proceso"

Mexique : Interview Jorge Carrasco

Seit mehreren Jahren stellt er zum Tod seiner Kollegin Nachforschungen an. Er selbst steht unter ständigem Schutz zweier Bodyguards; Handlanger mexikanischer Politiker hatten offen sein Leben bedroht. "Proceso" hat eine wöchentliche Auflage von ca. 100.000 Exemplaren. Eine einfache Methode, die Verbreitung der Artikel zu verhindern: Alle Ausgaben am Kiosk aufkaufen und vernichten. Und so zieht Jorgé Carrasco angesichts der derzeitigen Lage der Pressefreiheit in Mexiko eine bittere Bilanz. Kommentar von Jorgé Carrasco, investigativer Journalist bei "Proceso". 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016