Marokko: Die kleinen Akrobaten

Länder: Marokko

Tags: Schule, Zirkus

Den Kopf nach unten und die Beine hoch in der Luft – das ist für Brahim et Fatimzara tagsüber ihre normale Haltung: Sie sind Nachwuchs-Akrobaten in der Zirkusschule „Ecole Nationale du Cirque Shems’y à Salé“, in einer Vorstadt von Rabat. Der Zirkus ist immerhin eine Chance für die jungen Leute im Viertel, schließlich liegt die Arbeitslosenquote mit über 30 Prozent hier doppelt so hoch wie im nationalen Durchschnitt.

Die Zirkusschule ist noch einzigartig in Marokko. Einerseits, weil sie eine artistische Tradition aus der Vergangenheit wieder belebt: Ihre Akrobatik stammt aus alten Zeiten, in denen die Soldaten Festungswälle und –mauern nur mit körperlicher Kraft akrobatisch überwanden. Und die Schule ist eine Chance vor allem für Straßenkinder: „Shems’y“ heißt „Sonne“ auf Arabisch. 

Hier lernen die Kinder was das heißt: Disziplin, Solidarität, Gemeinschaft, Regeln, Respekt vor sich selbst und gegenüber anderen. Die Besten unter ihnen haben gute Chancen in der internationalen Zirkuswelt zu reüssieren. 

Noch aber gilt das nicht allzu viel in der arabischen Welt. Zirkus und Artisten, das ist für Viele nur ein seichtes Gewerbe, halbseiden, beinahe verrufen. Der arabische Frühling hat in Marokko auch in dieser Hinsicht noch keine Blüten getrieben. 

Eine reportage von Yann Le Gléau und Vincent Fertey – ARTE GEIE / What’s Up Productions – Frankreich 2012

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016