Manchester Foodbanks

Länder: Großbritannien

Tags: Manchester, Grossbritannien

In den letzten Jahren wurde im Vereinigten Königreich fast jedes dritte Steuer-Pfund für Sozialleistungen ausgegeben. Deshalb hat die konservative Regierung von Premierminister vor zwei Jahren eine radikale Reform des Wohlfahrtsstaates in Angriff genommen. Mit ebenso radikalen Folgen für die sozial Schwachen.

ARTE JOURNAL WEEK-END

 

Help yourself! Die Briten sollen wieder stärkere Anstrengungen unternehmen, um für sich selbst zu sorgen.Doch betroffen sind vor allem Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose.
Leistungen wie Erwerbsunfähigkeitsrenten, Kinder- und Wohngeld wurden gekürzt, ebenso die Pensionen der Beamten.
 

Schlafzimmer-Steuer

Berüchtigt ist das Gesetz über die sogenannte bedroom tax.  Sie ist eine Strafe für Haushalte, die in Sozialwohnungen leben und angeblich zu viele Zimmer haben.
Durch die bedroom tax wurde die Wohnbeihilfe für mehr als 600.000 Haushalte um durchschnittlich 860 Euro im Jahr gekürzt.
 

EDV statt Jobvermittler

Vor der Reform beliefen sich die Kosten für die Verwaltung der Sozialleistungen auf geschätzte drei Milliarden Pfund jährlich. Auf fast 9.000 Seiten waren die verschieden Ansprüche, Leistungen und
 

Verordnungen reglementiert

Das System, nach dem die Sozialämter nun Leistungen verteilen, ist einfacher geworden. Für die Verwaltung. Doch viele Anspruchsberechtigte sind überfordert mit der reformbedingten Neuordnung.
Wo früher ein Jobvermittler oder Sozialarbeiter beim Ausfüllen der Anträge behilflich war, steht heute ein Computer, den menschliche Schicksale nicht interessieren.
 

Heizen oder Essen?

Die Mittel sich selber zu helfen, haben immer weniger Briten. Seit 2005 sind die Preise für Lebensmittel um rund 44% gestiegen. Die Kosten für Gas und Benzin haben sich verdoppelt. “Heat or eat?” - “Heizen oder essen?” - diese Frage müssen sich hundertausende britische Familien jeden Morgen aufs Neue stellen.
 

Working poor

Nach einer Studie des Londoner Poverty Profile lebt fast ein Drittel der Hauptstadtbewohner in Armut. Betroffen sind selbst Menschen, die eigentlich eine Arbeit haben, davon aber nicht leben können. 600.000 Londoner haben einen sogenannten low-paid  job. Eine Zunahme um 40% in den letzten fünf Jahren.
 

Manchester – Hauptstadt der Armen

Von der Armut besonders betroffen sind Kinder. Laut einem Bericht der Stadtverwaltung Manchester, hier gelten 600.000 der 1,6 Millionen Einwohner als arm, sind 42 % der Minderjährigen nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt.
Viele Schulen bieten deshalb sogenannte Breakfast Clubs an. In manchen Klassen erscheinen bis zu 80% der Kinder ohne Frühstück zum Unterricht
 

Letzter Ausweg Food Bank

Dort wo der Staat sich mit der sozialen Grundversorgung verabschiedet hat, springen nun Kirchen und Wohlfahrtsverbände ein. In sogenannten Food Banks verteilen sie kostenlos Lebensmittel. Allein die caritative Stiftung “Trussel Trust” unterhält inzwischen über 400 Lebensmittelbanken im Reich der Kronjuwelen. Und jede Woche kommen drei neue hinzu.
 

Lost generation

Experten warnen vor einer weiteren Verschärfung  der Armutswelle. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte jedes vierte britische Kind under the breadline – unterhalb der Armutsgrenze – leben. Eine verlorene Generation.
 

ARTE Journal / Patrick Schulze-Heil (mit Quellen: The Guardian, Manchester Evening News, SZ, Hans Böckler Stiftung)
 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016