"Man müsste ein Gericht schaffen, das über Verbrechen gegen das Kulturerbe urteilt."

Länder: Welt

Tags: Cheikhmous Ali, Archäologie

Während die Terrormiliz Islamischer Staat im Osten Syriens weiter auf dem Vormarsch ist, und mit den Ruinen der historischen Oasenstadt Palmyra ein weiteres Unesco-Weltkulturerbe in Gefahr ist, zerstört zu werden, beraten in Kairo Minister und Kulturvertreter aus elf arabischen Ländern, sowie Unesco-Vertreter, wie diejenigen bekämpft werden können, die die gemeinsame Geschichte zerstören. ARTE Journal hat diese Frage Cheikhmous Ali gestellt, dem Vorsitzenden des Vereins zum Schutz der Archäologie Syriens.

Wie kann die internationale Gemeinschaft gegen diese Zerstörungen vorgehen?  

Cheikhmous Ali: Auf internationaler Ebene könnte man zum Beispiel den Denkmalpflegebehörden und den Vereinen vor Ort helfen. Nicht nur durch schöne Worte oder ein paar Lehrgänge, sondern durch eine reelle logistische und finanzielle Unterstützung, um ihnen dabei zu helfen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Ein anderer Weg, den man gehen könnte, wäre, einen internationalen Gerichtshof zu schaffen, der zu diesen Verbrechen gegen das Kulturerbe urteilt. Damit wüssten die Plünderer, aber auch die Käufer, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Vor allem die Käufer könnten dadurch abgeschreckt werden, Werke ohne gültige Unterlagen zu erwerben. Leider sind Kunstobjekte für einige wie eine Droge - auf dem Schwarzmarkt werden sich immer Käufer finden. Aber eine Gerichtsbarkeit könnte trotzdem die Situation verbessern.

Zum dritten müsste man die internationalen Regeln und Gesetze etwas aufweichen, um es denjenigen, die daran arbeiten, gefährdete Objekte aus Kriegsgebieten zu retten, zu erlauben, sie zum Beispiel in neutrale Länder zu bringen. Für viele historische Stätten ist es dafür schon zu spät. Die Ausgrabungsstätte der Stadt Mari zum Beispiel, die etwa dreitausend Jahre vor Christus ein bedeutendes Kulturzenturm Vorderasiens war, wurde fast zwei Jahre lang von einer Gruppe der freien Armee beschützt. Aber weil sie keine Unterstützung bekommen haben, haben sie es sein lassen. Dann haben die Dschihadisten diese Region unter ihre Kontrolle gebracht. Hätte man vorher vor Ort Kontakte und eine gemeinsame Aktion mit den Stämmen der Region zustande gebracht, hätte die Ausgrabungsstätte vielleicht gerettet werden können, die heute den Plünderern zum Opfer gefallen ist.