"Man kann sich nun endlich frei bewegen"

Länder: Israel, Palästina

Tags: Gaza, Besiedlung

Abu Ahmed Abu Ehlon lebt in Chan Yunis, im Gazastreifen. In seiner Nachbarschaft befand sich Gusch Katif, der größte Block israelischer Siedlungen. Zurück vor Ort, erzählt er uns von dieser Zeit.

"Ich arbeite in den Siedlungen, die sie „Gusch Katif“ nannten. Mein Chef hieß Avner. In seinen Treibhäusern pflanzten wir Rosen und Gemüse an. Alles, was wir produzierten, wurde außerhalb des Gazastreifens exportiert. Es war erstklassige Ware. Jetzt, wenn ich diese großen Gebäude sehe, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es hier einmal landwirtschaftliche Betriebe gab. 1999 bauten sie auch eine Papierfabrik. Aber dort habe ich nie gearbeitet.

 

Die Juden wollten nicht weg. Die Soldaten holten sie ab und verluden sie mit Gewalt.

Abu Ahmed Abu Ehlon

Unsere Beziehungen zu den Juden waren gut. Jeder versuchte, sein Bestes zu geben, um sein Auskommen zu sichern. Und wir verdienten auch gut. Wir arbeiteten nur zwei ganze Nächte; das reichte uns für die ganze Woche. Jeder von uns bekam wöchentlich sein Gehalt. Damals gab es noch Arbeit. 1999 kündigte ich diese Arbeit und arbeitete dann als Fahrer für die Stadtverwaltung von Chan Yunis.

 

In der gesamten Region Chan Yunis gab es nur drei Zufahrten nach Gusch Katif. Diese Tore wurden von der israelischen Armee kontrolliert. Wir konnten nur zu Fuß durch. Je angespannter die Sicherheitslage wurde, umso schwerer konnte man sich fortbewegen. Als 2000 die zweite Intifada ausbrach, wurde es sehr schwer, sich hier in der Gegend unterwegs zu sein.

Man brauchte eine Genehmigung, um ins Krankenhaus zu fahren. Heute ist alles einfacher.

Abu Ahmed Abu Ehlon

 

Vor dem Rückzug von 2005 riegelten sie die Zone für mehrere Wochen völlig ab. Wir durften unser Viertel nicht verlassen. Die Juden wollten nicht weg. Sie blieben bis zum letzten Moment in ihren Häusern. Die Soldaten holten sie ab und verluden sie mit Gewalt. Sie ließen nur Ruinen zurück.

 

Es gab damals mehr Arbeit, das stimmt schon. Dennoch war ihr Weggang eine große Erleichterung. Die größte Änderung: Man kann sich nun endlich frei bewegen. Die Israelis hatten den Gazastreifen in drei Teile geteilt und es war sehr schwer, von einem Ort zum anderen zu kommen. Man brauchte eine Genehmigung, um ins Krankenhaus zu fahren oder um Verwandte im Norden zu besuchen. Als meine Frau schwanger war, hatten wir alle große Angst. Heute ist alles einfacher."