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Mali: Bedroht der Islamismus die Präsidentschaftswahl?

Länder: Mali

Tags: Terrorismus, Präsidentschaftswahl

Am 29. Juli buhlen fünf Kandidaten um die Gunst der malischen Wähler, um die Nachfolge des Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita anzutreten. Obwohl sie von der europäischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, sind diese Wahlen von entscheidender Bedeutung. "Wenn es den Dschihadisten morgen gelingt, ihre schwarze Flagge in Bamako zu hissen, wird die ganze Region von religiösem Fanatismus und radikalem Islam überrollt", meint der Journalist und guter Mali-Kenner François-Xavier Freland, der uns die einzelnen Kandidaten vorstellt.

Mali, une élection sous la menace jihadiste
Mali: Bedroht der Islamismus die Präsidentschaftswahl? Mali ist das schwächste Glied in der Sicherheitskette der Sahelzone. Am 29. Juli wählt das Land einen neuen Präsidenten. Mali: Bedroht der Islamismus die Präsidentschaftswahl?

Am Sonntag, den 29. Juli werden die Malier an die Urnen treten, um ihren künftigen Staatspräsidenten zu wählen. Der bisherige 73-jährige Staatschef Ibrahim Boubacar Keita (IBK) gilt als Favorit für diese Wahl, dicht gefolgt von dem ehemaligen Premierminister und Oppositionsführer Soumaila Cissé (68). Eine in den wichtigsten Städten des Landes unter mehr als tausend Befragten durchgeführte Ipsos-Umfrage prognostiziert in der Tat ein Kopf-an-Kopfrennen. IBK erreicht 24,7% der Wahlabsichten, während Soumaila Cissé 23,5% der Stimmen erhalten würde.

Die Tuareg-Rebellion von 2007 bewirkte eine Trennung zwischen dem Norden und dem Süden und schlug eine Bresche für dschihadistische Splittergruppen...

François-Xavier Freland

"Dieser Präsidentschaftswahlkampf wird demjenigen von 2013 stark gleichen", betont der Journalist und Mali-Experte Rémi Carayol. IBK und Soumaila Cissé waren damals bereits die beiden einzigen unangefochtenen Amtsanwärter. IBK hatte schließlich den Sieg errungen. Heute wirkt sich "die zutiefst enttäuschende Bilanz" des bisherigen Präsidenten aber negativ auf seine Kandidatur aus. "2013 versprach er die Wiedervereinigung und die Absicherung des Landes; heute hat sich die Situation nicht gewandelt, eher sogar verschlechtert", analysiert François-Xavier Freland, Journalist und Autor von "Mali jenseits des Dschihads".

 
Eine Gewaltwelle im gesamten Land

Im März 2012 war der Norden von Mali unter den Einfluss radikalislamistischer Gruppen geraten, die Al-Kaida nahestehen. Gleichzeitig war die malische Armee im Einsatz, um die Spannungen mit den Tuareg zu schlichten. Trotz der Intervention der französischen Streitkräfte und der anwesenden Stabilisierungsmission der UNO in Mali (MINUSMA) setzte sich die Gewaltwelle nicht nur fort, sondern dehnte sich auch auf den Norden, die Mitte und den Süden des Landes aus. Dem Präsidenten IBK wird außerdem vorgeworfen, das 2015 unterzeichnete Abkommen von Algier nicht umzusetzen, das mithilfe der Einrichtung von Verteidigungs- und Sicherheitsinstitutionen auf dem gesamten Staatsgebiet dem Land zu neuer Stabilität verhelfen sollte.

"Die Tuareg-Rebellion von 2007 bewirkte eine Trennung zwischen dem Norden und dem Süden und schlug eine Bresche für dschihadistische Splittergruppen, die 2012 in der Gegend zwischen Gao und Timbuktu eingedrungen waren und dort ihre Politik und ihre Macht durchgesetzt haben", erklärt François-Xavier Freland. "Seit dieser Zeit fällt es dem Land schwer, erneut auf die Beine zu kommen und sich wiederzuvereinigen. Merklich gibt es zwei Malis, die nicht mehr aufeinander hören."

Werden die Malier trotz der turbulenten Präsidentschaft von IBK dennoch den Mut beweisen, Soumaila Cissé zu wählen, "einen alten Hasen in der Politik, der seine Amtsaufgaben sehr gut kennt, aber der Bevölkerung nicht nahe steht", wie der Experte Freland es formuliert? Oder werden sie einem Außenseiter eine Chance geben?

Malienkarte

Fakten über Mali 
Land in Westafrika, das an sieben andere Staaten grenzt. Der Niger, der das Land durchfließt, ist lebensnotwendig für seine Bevölkerungsgruppen und seine Wirtschaft. Hauptstadt: Bamako. Bevölkerung: 14,85 Millionen Einwohner. Lebenserwartung: 54,5 Jahre für Frauen / 54,7 Jahre für Männer. Rund 60 Ethnien (die größte Bevölkerungsgruppe bilden die Bambara). Sprachen: Französisch (Amtssprache) und Bambara. Religionen: Islam (90%), Animismus (9%), Christentum (1%). Alphabetisierungsrate: 33%

 
24 Kandidaten für einen ungewissen Wahlausgang

Von den 22 übrigen Kandidaten heben sich vor allem drei von ihren Mitstreitern ab. Mit 15% der Wahlabsichten gibt sich Cheick Mobido Diarra (66) eher zuversichtlich. Dieser ehemalige Premierminister und ehemalige NASA-Beamte möchte "neue Köpfe, neue Methoden und neue Ideen fördern". Ein weiterer gewichtiger Kandidat: Aliou Boubacar Diallo. Dieser 58-jährige Geschäftsführer der Minengesellschaft Wassoul’Or verkörpert eines der größten Vermögen des Landes. Ein eindeutiges Plus in einer Kampagne, in der Geld über die Sichtbarkeit der Kandidaten bestimmt. Djénéba N’Diaye schließlich ist die einzige Kandidatin, die sich zur Wahl stellt. Diese Geschäftsfrau, die im Immobilienbereich tätig ist, stellt die Frauenrechte in den Mittelpunkt ihrer Kampagne. "Die Frauen sind zielbewusst, die Jugend ist aufrührerisch, alle wollen eine "Mama", und ich bin die einzige!", verkündet sie auf ihren Wahlversammlungen.

An Kandidaten für die Präsidentschaftswahl mangelt es nicht in Mali, jedoch fehlt es ihr an Glaubwürdigkeit. Experten sagen voraus, ein Drittel des Landes werde wegen unzureichender Sicherheit nicht an die Urnen treten. Der malische Staat kann die Herausforderung nicht meistern, 23.000 Wahllokale abzusichern. Auch die Anwesenheit von Wahlbeobachtern ist keine Garantie für einen guten Ablauf. Cécile Kyenge, die Vorsitzende der Wahlbeobachterkommission der EU, räumte dies auf einer Pressekonferenz in Bamako ein: "Die Sicherheit der Wahlkampagne und der Wahl stellt eine weitere große Herausforderung dar, insbesondere im Inneren und im Norden [des Landes]".

Andere befürchten, die Situation könne zu Wahlbetrug führen. Dies würde die Legitimität des neu gewählten Präsidenten in Frage stellen oder es jedenfalls seinen Gegnern ermöglichen, seine Wahl anzufechten. Mali, das bereits sehr stark unter ethnischen Konflikten und an der Verbreitung von Terrorismus leidet, wird daher vermutlich nicht auf diese Präsidentschaftswahl zählen können, um eine gewisse Stabilität wiederzufinden.

Zuletzt geändert am 26. Juli 2018