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„Mafia Capitale“

Länder: Italien

Tags: Mafia, Korruption, Flüchtlinge

Ein mafiöses Netzwerk führte bis zu seiner Aufdeckung im Dezember 2014 die Aufsicht über die Flüchtlingslager in Rom – nur einer von vielen Auswüchsen eines kriminellen Systems, das in sämtliche Bereiche der italienischen Hauptstadt vorgedrungen war. 

 

Mit den Flüchtlingen verdienen wir noch mehr als mit Drogen“, brüstete sich Salvatore Buzzi in einem abgehörten Telefonat, das im vergangenen Dezember von den Carabinieri veröffentlicht wurde. Der 59-Jährige bezieht sich darin auf mehrere Flüchtlingscamps der Stadt Rom, deren Aufsicht er übernommen hatte. Von den 40 Euro, die der italienische Staat pro Tag und Flüchtling an die Auffanglager zahlt, soll der italienische Mafioso einen Großteil abgezweigt und auf diese Weise mehr als 40 Millionen Euro ergaunert haben. 

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs: So gut wie allen Bereiche der Ewigen Stadt waren offenbar von einem ausgedehnten kriminellen Netzwerk "Mafia Capitale" durchsetzt, das am 2. Dezember 2014 ausgehoben wurde. Die geheime und hierarchisch aufgebaute Verbrecherorganisation mit Verflechtungen in Politik und Wirtschaft hatte sich zum Ziel gesetzt, Aufträge der öffentlichen Hand und kommunale Mittel „befreundeten“ Unternehmen zuzuschanzen. 


„Der Einäugige“

Vermögenswerte in einem Umfang von etwa 200 Millionen Euro, die in Zusammenhang mit den kriminellen Machenschaften stehen sollen, wurden von der Finanzbrigade der italienischen Polizei vorläufig beschlagnahmt. Dabei handelt es sich um Grundstücke, Gebäude, Nachtclubs und sogar Klöster. Der Organisation mangelte es offenbar nicht an Möglichkeiten zur Geldwäsche. Mithilfe verschiedener Tarnfirmen in Luxemburg oder in der Republik San Marino, unter anderem Zenith SRL und Fidens Project Finance, baute die „Mafia Capitale“ die Kanäle, in denen das öffentliche Geld versickerte, immer weiter aus. 

Wir werden Rom nicht den Dieben überlassen."

Matteo Renzi - 08/12/2014

Kopf der lokalen Verbrecherorganisation war der 56-jährige Massimo Carminati, ehemals Mitglied der rechtsextremen Gruppierung Nuclei Armati Rivoluzionari (Bewaffnete revolutionäre Zellen), die in den „bleiernen Jahren“ ihr Unwesen trieb. Unter dem Spitznamen „Il Nero“ („Der Schwarze“) bzw. „Il Guercio“ („Der Einäugige“) – da er bei einer Schießerei mit der Polizei das linke Auge verloren hatte – stieg der Ex-Terrorist zum Chefideologen dieser 100 % römischen Mafia auf.  

Neben ihm wurden etwa 30 weitere Personen wegen Verdachts auf Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung festgenommen. Im Zuge der noch immer laufenden Untersuchungen sind etwa 100 Verdächtige ins Visier der Fahnder gerückt, darunter auch der ehemalige römische Bürgermeister Gianni Alemanno. Am 8. Dezember reagierte Premierminister Matteo Renzi bei einem Kongress der italienischen Jungdemokraten auf die Vorfälle, die von einigen Medien als „Plünderung Roms“ bezeichnet wurden: „Wir werden Rom nicht den Dieben überlassen.
 

Franck Berteau

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017