Madagaskar: Krieg um die Zebus

ARTE Reportage - Samstag, 20. Februar 2016 - 17:05

Länder: Madagaskar

Tags: Madagascar, vol de zébus

Wer viele Zebus hat, der ist ein reicher Mann auf der Insel im Indischen Ozean – doch überall lauern die Banden der Viehdiebe.

Madagascar - la guerre des zebus

 

Sie nennen diese Banditen "Dahalos" und manche schreiben ihnen sogar magische Kräfte zu. Diese Banden terrorisieren die Menschen in den Dörfern im schwer zugänglichen Süden des Inselstaats, sie rauben ganze Herden mit tausenden Zebus und so mancher reiche Mann war nach so einem Raubzug auf einmal bettelarm.  

Deshalb hat ihnen der Premierminister jetzt den Krieg erklärt und eine Militär-Operation gegen die Machenschaften der Zebu-Diebesbanden in Marsch gesetzt. Gut tausend Soldaten sollen die Diebe aufspüren und unschädlich machen – doch scheinbar nehmen es die Soldaten nicht so genau mit der Rechtsstaatlichkeit: Man hört von Exekutionen ohne jede Gerichtsbarkeit; anstatt die Unschuldigen in den Dörfern zu schützen, bedrohen die Soldaten sie ebenfalls – so fühlen die sich doppelt verfolgt, voller Angst vor den Dahalos und den Soldaten ihres Präsidenten.     


Von Charles Emptaz, Pierre Creisson und Xavier Gaillard – ARTE GEIE / La Bonne Prod – Frankreich 2015

Interview

 

Das Zebu, ein wirtschaftlicher Reichtum

Auf Madagaskar bedeutet der Besitz eines Buckelrindes wirtschaftlichen Reichtum.Denn die Hälfte der Einwohner lebt von weniger als 40 Euro pro Monat. Demgegenüber der Verkaufserlös für ein Zebu: 120€. Ausserdem liefern die Rinder wertvollen Dung: Ohne diesen natürlichen Dünger geht in der madegassischen  Landwirtschaft nichts. Denn Kunstdünger ist so teuer wie in Europa und damit im Lande unerschwinglich.

 

Das Zebu, ein Arbeitsgerät

Hauptgetreidesorte im Land ist Reis. Drei Viertel der Landbevölkerung arbeiten im Reisanbau. Zebus spielen dabei eine wichtige Rolle, denn mit Ihren Hufen pflügen sie die Reisbecken, die man sonst umgraben müsste. Der Besitz eines Zebus als Ackertier ist ausserdem höchst symbolisch. Denn zur Königszeit mussten Sklaven die Felder von Hand umgraben.

 

 Das Zebu als Ritualtier

Ob bei Begräbnissen, Hochzeiten, Geburten oder bei der Bitte um den Segen der Ahnen - das Zebu ist für jede Gelegenheit das richtige Opfertier. Bei allen Zeremonien wird stets viel Zebufleisch gegessen und über die Auswahl der Opfertiere gibt es strenge traditionelle Vorschriften. Tiere mit weissem Kopf sind wertvoll, während andere wiederum als unrein fur den Opferritus gelten. 

 

Das Zebu und der rituelle Diebstahl

Bei einigen Völkern Madagaskars, wie den Bars, ist der Zebu-Klau eine Tradition! Als Initiationsritus oder vor einer Heirat müssen die jungen Männer ihren Mut beweisen indem sie ein Buckelrind stehlen. Eine mutige Tat oder ein Liebesbeweis - mit dem Banditentum und der Gewalt, die sich in den letzten Jahren entwickelt haben, hat das nichts zu tun.

 

Das Zebu, Symbol eines bedrohten Madagaskars

Überall trifft man das Zebu an: Auf dem Landeswappen, den Geldmünzen und Briefmarken...Politische Krisen und wirtschaftlicher Niedergang haben jedoch in den letzten zwanzig Jahren zu einem Einbruch der Herden geführt. Die Standesorganisation der Tierärzte von Madagaskar geht mittlerweile soweit, dass sie für die Insel  ein Verschwinden der Zebu-Zucht in den nächsten Jahren befürchtet.

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016