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Luxemburg erobert die Weltraumressourcen

Länder: Luxemburg

Tags: Ressources, Raumfahrt, Weltraum

Bergbau im Weltall: Was nach Science-Fiction klingt, könnte bald Realität werden. Am 1.August tritt ein Gesetz in Kraft, das es Unternehmen in Luxemburg ermöglicht, auf die Rohstoffe aus dem Weltall zuzugreifen. Theoretisch könnten die Firmen jetzt Metalle, Wasser und Kohlenwasserstoffe aus Himmelskörpern gewinnen, sie zur Erde bringen und dort verkaufen. Doch das luxemburgische Gesetz wirft mehrere Fragen auf. Kann ein Land eigenständig entscheiden, Rohstoffe im All abzubauen? Gibt es nicht Gesetze, die die Vermarktung des Weltalls verbieten? Warum ist Luxemburg das erste europäische Land, das sich für diese Fragen interessiert, obwohl das Land über gar keine Raumfahragentur verfügt? Und wann können wir tatsächlich Rohstoffe im Weltall abbauen? ARTE Info sucht nach Antworten.

Le Luxembourg à la conquête des ressources spatiales
Luxemburg erobert die Weltraumressourcen Ab dem 1. August können Unternehmen aus dem Großherzogtum Rohstoffe im Weltall abbauen. Luxemburg erobert die Weltraumressourcen

 

 

Welche Rohstoffe gibt es im Weltall?

 

Die „New-Space“-Unternehmen sind stark am Abbau der Ressourcen aus dem Weltall interessiert. Vor allem Asteroiden könnten wichtig werden.

Einige Himmelskörper sind aus purem Metall und deshalb ein wahrer Schatz für zahlreiche Firmen. Die NASA will 2022 eine Weltraummission starten, um den Asteroiden „Psyche“ zu erforschen, der im Durchmesser über 200 Kilometer groß ist und der verbliebene Kern eines Gesteinsplaneten sein könnte. Der Asteroid, der aus Ferronnickel besteht, könnte daher wertvoller sein als alle Rohstoffe, die sich auf der Erde befinden.

Ab wann kann man Rohstoffe im Weltall abbauen?

 

Auch wenn das luxemburgische Gesetz am 1. August 2017 in Kraft tritt, wird es noch lange dauern, bis die ersten Bergmänner auf den Asteroiden landen. Reisen mit Raketen sind extrem teuer und bislang fehlt auch die notwendige Technologie, um Metalle oder Kohlenwasserstoffe abzubauen und sie zur Erde zu bringen. Mireille Couston, Forscherin an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Lyon und Direktorin des Zentrums für Weltraum-, und Umweltrecht, weist darauf hin, dass „der Abbau planetarischer Ressourcen heute aus technischer Sicht nur Wunschdenken ist.“

 

Was steht im Weltraumrecht?

 

Im Weltraumrecht gibt es formal kein Verbot für den Abbau von Rohstoffen aus dem Weltall. Das Rechtsgebiet ist noch recht jung und bislang gibt es nur wenige, verbindliche Texte. Der Weltraumvertrag aus dem Jahr 1967 sieht vor, dass sich keine Nation das Universum aneignen kann. Die Regelung bezieht sich jedoch nur auf das Weltraum als Gebiet, nicht auf die Ressourcen. Zudem erwähnt der Vertrag das Recht auf „die freie Verwendung“ des Alls und der Himmelskörper. Dieser Begriff ist zwar weit gefasst, könnte die geschäftliche Nutzung der Rohstoffe aber miteinschließen.

Im Mondvertrag von 1979 steht, dass der Mond und andere Himmelskörper zum Weltkulturerbe der gesamten Menschheit gehören. Allerdings hat diese Aussage „keine Rechtskraft“, betont Mireille Couston, Autorin des 2014 veröffentlichten Buchs „Droit spatial“ (auf Deutsch: Weltraumrecht).

Außerdem „haben die großen Weltraummächte den Vertag nicht ratifiziert.“ „Alles in allem gibt es keine internationale Rechtsordnung, die den Abbau von Weltraumressourcen präzise regelt“, erklärt Mireille Couston.

 

Zuletzt geändert am 1. August 2017