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Wer ist Theresa May?

Länder: Großbritannien

Tags: Premierminister, Großbritannien, David Cameron, Brexit

Nachdem ihre letzte Konkurrentin am Montag das Handtuch im Rennen um David Camerons Nachfolge geworfen hat, wird die Innenministerin am Mittwoch in die Downing Street 10 einziehen. Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom erklärte ihren Rückzieher damit, dass es ihr an genügend Unterstützung fehle. Nach dem Brexit brauche das Land eine neue, starke Führung. Großbritannien können nun nicht bis zum 9. September warten, dem ursprünglichen Datum der Bestimmung des neuen Premierministers. Wer ist Theresa May, die neue Premierministerin? Und wer waren ihre Konkurrenten? ARTE Info fasst zusammen.

Im Herzen ist sie euroskeptisch, doch für die Kampagne blieb Theresa May Premierminister David Cameron treu und verteidigte den Verbleib Großbritanniens in der EU. Bei der Kampagne hielt sie sich aber bedeckt und konnte so verhindern, dem Leave-Lager zugerechnet zu werden. Ihre vorsichtige Position hat sich bei den zerstrittenen Konservativen bezahlt gemacht: Als Konsens-Kandidatin der pro- und anti-Brexit Fraktionen gewann sie die erste Wahl zur Bestimmung des neuen Premierministers mit 165 von 330 Stimmen. Seit Beginn ihres Wahlkampfs hat die 59-Jährige aber verdeutlicht: "Brexit heißt Brexit", es werde kein neues Referendum zur Zukunft Großbritanniens in der EU geben.

 

Eine Politikerin, die sich durchbeißt

Die Tochter eines anglikanischen Priesters ist bekannt für ihr Charisma und Arbeitspensum. Nach einem Geographie-Studium an der Elite-Universität Oxford arbeitete sie kurz bei der Bank of England, bevor sie sich der Politik widmete. Zwei Niederlagen musste sie einkassieren, bevor sie 1997 ins Unterhaus einziehen konnte. Mit viel Durchhaltevermögen baute sie nach und nach ihre Karriere aus. 2002 wurde sie die erste Generalsekretärin der Tories und beendete damit eine lange männliche Vorherrschaft auf dem Posten. Im Schattenkabinett bekleidetete sie verschiedene Posten, bis David Cameron 2010 Premierminister wurde und sie an die Spitze des Innenministeriums berief. Sechs Jahre insgesamt war sie auf dem Posten - ein Rekord. 

 

Die Angela Merkel Großbritanniens?

In dieser Zeit profiliert sie sich vor allem als Hardlinerin in der Einwanderungspolitik, Lieblingsthema der Brexit-Befürworter. Bei anderen Themen bleibt sie offener, etwa bei der Homoehe, die sie unterstützt. Für die Financal Times ist sie die mächtigste Konservative seit Margaret Thatcher. Ein Arbeitstier, eine Konservative, eine Frau in einer Männerwelt - der Vergleich mit der Eisernen Lady passt. Die britische Zeitung hat aber auch schon den nächsten bemüht: vielleicht sei sie auch "die Angela Merkel Großbritanniens".

 

Aus dem Rennen ausgeschieden:

 

Andrea Leadsome:

Die Energieministeri fordete harte, schnelle Austrittsverhandlungen mit der EU. Im Vergleich zu May steht sie weiter rechts.

Michael Gove:

Der Justizminister erhielt am 7. Juli bei der parteiinternen Abstimmung die wenigsten Stimmen und schied aus dem Rennen aus. Gove hatte David Cameron im Regen stehen lassen, indem er sich öffentlich zum Brexit bekannte.

Stephen Crabb:

Auch wenn der Arbeitsminister 34 Stimmen einholen konnte – 14 weniger als Michael Gove – zog er noch am gleichen Tag seine Kandidatur zurück. Auf Twitter sagte er Theresa May seine Unterstützung zu.

Liam Fox:

Der Ex-Verteidigungsminister galt von Anfang an nicht als Favorit. Tatsächlich erhielt er bei der ersten Abstimmung nur 16 der Abgeordnetenstimmen und schied so automatisch aus dem Rennen aus.

 

 

Überraschender no-show:

Boris Johnson, Ex-Bürgermeister von London und der wohl exzentrischste Politiker Großbritanniens, war seit der Brexit-Abstimmung auf Tauchstation. Und das sollte sich so schnell nicht ändern: Entgegen aller Erwartungen kündigte er an, nicht für die Nachfolge von David Cameron zu kandidieren.

Ob er selbst damit gerechnet hat, dass die Briten für den Brexit stimmen war ebenso umstritten wie seine Überzeugung, dass es Großbritannien außerhalb der EU unbedingt besser gehen wird. Man wirft ihm vor, vor allem aus karrieristischen Gründen auf das Brexit-Pferd gesetzt zu haben: Hätte das Remain-Lager von Cameron gewonnen, hätte Cameron sein Kabinett umbilden müssen, um die Partei wieder zu einen. Das hätte "Bojos" große Stunde werden können.

Johnson schneidet Grimassen, flucht, stolpert, stürzt und pöbelt. Sein chaotisches Auftreten gehört ebenso dazu, wie sein zerzaustes blondes Haar. Ein Abgeordneter nannte ihn im Parlament “Silvio Borisconi” – bei seinem Rückzug erklärte Johnson letzte Woche selbst: er "kann nicht die Person sein, die das Land durch solch turbulente Zeiten führt."

 

Zuletzt geändert am 15. Juli 2016