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Literaturnobelpreis geht an Kazuo Ishiguro

Länder: Großbritannien

Tags: Literatur, Literaturnobelpreis, Nobelpreis

Der britisch-japanische Schriftsteller Kazuo Ishiguro (62) bekommt den Literaturnobelpreis. Er wird für "seine Romane von starker emotionaler Kraft" ausgezeichnet, wie die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekanntgab. Darin lege er den Abgrund unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt bloß, hieß es weiter. "Was vom Tage übrig blieb" und "Alles, was wir geben mussten" gehören zu seinen bekanntesten Werken. Beide Bücher wurden verfilmt.

 
 

Sowohl Ishiguro erstes Werk "A Pale View of Hills" (1982) wie auch das darauf folgende "An Artist of the Floating World" (1986) spielen im japanischen Nagasaki der Nachkriegszeit. Erinnerungen, Zeit und Selbsttäuschung sind schon in diesen Frühwerken wichtige Motive. In seinem berühmtesten Werk "The Remains of the Day" (Was vom Tage übrigblieb, 1989) steht ein von Schuldgefühlen besessener Protagonisten im Zentrum. Auch in diesem Buch sind die genannten Motive stark präsent.

In seinen jüngeren Werken flocht Ishiguro seine Erzählungen immer wieder in fiktive Traumwelten ein. In "Never Let Me Go" (Alles, was wir geben mussten, 2005) erschuf der Schriftsteller eine kalte Science-Fiction-Welt. Musikalische Bezüge spielen in seinem Oeuvre immer wieder eine Schlüsselrolle. In "Nocturnes: Five Stories of Music and Nightfall" (2009) trägt Musik entscheidend zur Beschreibung und Entwicklung der Charaktere bei.

Kazuo Ishiguro, geboren am 8. November 1954 in Nagasaki (Japan), zog im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie nach Großbritannien. In den späten 1970er-Jahren schloss Ishiguro ein Studium in Englisch und Philosophie an der Universität von Kent ab, ehe er ein Studium in "Creative Writing" anfügte. Neben seinen insgesamt acht Büchern hat Ishiguro Skripts für Film und Fernsehen verfasst.

 

Kazuo Ishiguro folgt auf Bob Dylan

Mit der Wahl von Kazuo Ishiguro überrascht die Jury erneut. Im vergangenen Jahr hatte sie Rockmusiker Bob Dylan für seine poetischen Neuschöpfungen in der amerikanischen Songtradition ausgezeichnet. Er habe "den Status einer Ikone" und einen tiefgreifenden Einfluss auf die zeitgenössische Musik, begründete die Jury damals.

Dylan ließ zwei Wochen lang offen, ob er den Preis annehmen werden, kam dann nicht zur Verleihung nach Stockholm und holte die Auszeichnung erst Monate später ab, als er ohnehin für Konzerte in Schweden war.

Den Preisträger wählt die Schwedische Akademie, die aus Schriftstellern, Literatur- und Sprachwissenschaftlern und Historikern besteht, aus fünf Kandidaten auf einer Shortlist aus. Letzte deutschsprachige Preisträgerin war die Schriftstellerin Herta Müller 2009.

Die mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember - dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel (1833-1896) - gemeinsam mit den Nobelpreisen für Medizin, Physik und Chemie in Stockholm verliehen. Nur der Friedensnobelpreis wird in Oslo überreicht. Die Preise gehen auf Nobels Testament zurück und werden seit 1901 vergeben. Darin legte der Dynamit-Erfinder fest, dass derjenige geehrt werden solle, der in der Literatur im jeweiligen Jahr "das Ausgezeichnetste in idealer Richtung" hervorgebracht hat.
 

Zuletzt geändert am 5. Oktober 2017